Friedrich Ani: M – Ein Tabor-Süden-Roman

Exif_JPEG_PICTURETabor Süden und seine Kollegen der Detektei Liebergesell dringen bei der Suche nach einem Vermissten in die Neonaziszene ein – und müssen dafür einen hohen Preis bezahlen.

Die Vermissung eines scheinbar gewöhnlichen Taxlers (für Nichtbayern: Taxifahrers), der ungewöhnliche Auftrag, ihn zu suchen, und das braune Milieu, in das die Ermittler einsteigen müssen, ergibt eine eigenartige Konstellation. Dazu noch Kripo, Verfassungsschutz und LKA mit einem Personal, das den „dienstfernen Ex-Kollegen“ und jetzigen Detektiv bei den eigenen Aktivitäten herauszuhalten versucht.

Südens Bild von diesen Organen: Mit zunehmendem Alter bettete Süden seine Meinung und seinen Abscheu gegenüber Vertretern von Stadt und Staat, deren Weltsicht sich in ihrer Krawattennadel spiegelte, in Schweigen und pure Wahrnehmung.

Aber Süden wäre nicht Süden, wenn er sich nicht über die massiven Empfehlungen seiner Ex-Kollegen hinwegsetzen würde. Und so kommt es wie es kommen muss: Süden kommt ans Ziel, klärt dabei mit seiner Chefin noch einen anderen Fall auf. Doch auch wenn Chefin Liebergesell diesen alten, persönlichen Fall abschließen kann, so ist doch der Schaden für die Detektei groß. Und nicht immer scheinen es die „Kameraden“ der rechten Szene zu sein, die zuschlagen.

Anders als bei anderen Fällen, in denen der ehemalige Kommissar Süden ein armes vermisstes Hascherl im Umfeld des biederen Bürgertums suchen muss, wird es hier politisch und phasenweise brutal.

Die armen Hascherl sind hierbei die Detektive, allen voran die Chefin der Detektei, die den Mord an ihrem Sohn vor zehn Jahren noch immer nicht überwunden hat. Auch Tabor Süden denkt noch viel an seine Vergangenheit: Tod der Mutter, Verschwinden des Vaters und das Ableben seines besten Freundes. Häufig befindet sich Süden in der Vergangenheit.

Süden schaut auch in dieser Story Menschen tief in ihre Gedankenwelt, erkennt Zeichen, die für andere im Verborgenen bleiben und überrascht Freund, Feind und Leser mit den Schlüssen, die er daraus zieht.

Es ist halt so: Das oberste Gebot lautete, bei einer Vermissung nicht an einen vergleichbaren Fall zu denken. Jede Geschichte eines Verschwundenen war einzigartig und hatte ihre ganz besonderen Ursachen und Zusammenhänge. Die Wahrheit lag oft tiefer unter der Erde als die Asche der Anonymen auf dem Waldfriedhof. Und so wie bei berechtigten Zweifeln an der Todesursache ein Gericht eine Exhumierung anordnen und ein Gerichtsmediziner anorganisches Gift noch in der Asche nachweisen konnte, so grub sich ein erfahrener Ermittler Schicht um Schicht zum Mittelpunkt der Welt hinter der Tapetenwand vor. Was er dort vorfand, stimmte fast nie mit dem überein, was er bereits kannte.

Gut, dass es einen Tabor Süden gibt, der diese Welt mit so speziellen Gedanken beobachtet. Danke, Friedrich Ani, dass Du uns diese Geschichten erzählst.

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Erschienen 2013

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3 Antworten zu Friedrich Ani: M – Ein Tabor-Süden-Roman

  1. saetzeundschaetze1 schreibt:

    Ich habe Friedrich Ani mal bei einer Lesung erlebt und war ganz begeistert. Wie sein Kommissar ist auch der Schriftsteller ein besonderer Mensch.

  2. karu02 schreibt:

    Nun muss es mal wieder ein „Ani“ sein! aber du liest zu schnell, ich komme kaum noch nach. 😉

  3. Pingback: Deutscher Krimipreis 2014: Die Gewinner | KrimiLese

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