Jo Nesbø stellt seinen neuen Thriller vor: Koma

P1000902Gerade war er von Los Angeles in Frankfurt eingetroffen. Nach Verhandlungen über die Verfilmung seines Romans Schneemann in LA mit Martin Scorsese hat Jo Nesbø zuerst eine gute Botschaft: Der Held seiner Thriller, Harry Hole, hat die Schüsse überlebt, die ihn am Ende des letzten Buches Die Larve getroffen haben. Die beiden Bände Die Larve und Koma wären in einem Rutsch entstanden, Koma sei die Fortsetzung des vorhergehenden Bandes.

Harry Hole liegt zunächst noch im Koma, später erfahren die Gäste der Veranstaltung, dass Harry inzwischen an einer Polizeischule unterrichtet. Nesbø erwähnt, dass sich der Held geändert habe, aber im Kern sei er noch immer der Alte.

Der Moderator Günter Klein versteht es, Jo Nesbø diese kleinen Geheimnisse zu entlocken und als Oliver Mommsen – bekannt als Ermittler Nils Stedefreund in der Tatort-Reihe – eine erste Szene aus dem neuen Buch gelesen hat, in dem es um Korruption in der norwegischen Polizei und Politik geht, fragt Keil den Autor, ob er politische Aussagen mit seinen Romanen machen wolle. Das sei nicht der Fall, er wolle unterhalten, wobei Politik aber auch Unterhaltung sei. Da nun die gerade gehörte Szene auch eine gehörige Portion Sex beinhaltet, möchte der Moderator wissen, ob denn die 14jährige Tochter ein Verbot vom Vater hat, die Bücher zu lesen. Nein, verboten habe er die Lektüre nicht, aber sie liest die Bücher nicht, sie hat kein Interesse daran. Seine Mutter sei aber nicht erbaut von derartigen Szenen, aber sie lese seine Bücher auch nicht, höchstens die ersten Seiten – und in den ersten Kapiteln käme deshalb noch kein Sex vor.

Dann darf Mommsen wieder ran. Er liest eine Szene, in der eine Leiche am Haken eines Schlepplifts baumelt, mit einem „Zahnstocher“ im Mund. Dieser Zahnstocher ist eine ein Meter lange Eisenstange, die dem Opfer von hinten in den Schädel gerammt wurde. Der Vorleser schüttelt sich ein wenig theatralisch und äußert sich, dass ein Autor verrückt sein müsse, wenn er auf derartige Gedanken kommt. Gutes Stichwort für den Moderator, der fragt, wann man denn auf solche Ideen komme.

Es sind die Stunden am frühen Morgen zwischen Traum und richtigem Wachwerden beschreibt es Nesbø. So gegen 8 Uhr. Und er erzählt, dass er es toll findet, dass es zwischen ihm und den Lesern eine Vereinbarung gibt, dass er die Leser manipulieren darf. Er sieht sich in der Rolle eines Gauklers, der dem Publikum mit der einen Hand etwas zeigt, mit der anderen aber bereits einen Trick vorbereitet. So geschieht es auch in seinen Büchern, er lockt die Leser auf falsche Fährten.

Ansonsten ist er selbstverständlich ein Gutmensch. 2008 hat er die Harry Hole Foundation gegründet, die hilft, dass Kinder in der Dritten Welt das Lesen lernen. Eine weitere Seite des Jo Nesbøs entlockt der Moderator dem Autor, die des norwegischen Popstars. Und so kommt es, was schon bei der Begrüßung angeklungen ist, der Popstar holt seine Gitarre und gibt einen seiner Songs zum Besten. Wieder großer Applaus vom Publikum, der anhält, als Oliver Mommsen die nächste Szene – zunächst nicht liest – sondern ansingt. Amüsant und locker geht’s zu, bei der Vorstellung des Thrillers, aber irgendwann ist es dann soweit. „Let’s go to sign the books“, verkündet Autor, Popstar, Bergsteiger, Sohn und Vater sowie Charityman. Nettes Verneigen vor dem Publikum, herzlicher Applaus aus dem Zuschauerraum. Das Gros der Zuhörer strömt mit den Büchern zur Signierecke, wenige mit einem Buch, viel mit mehreren, einen Herren sehe ich mit prall gefülltem Trolley. Und so signiert der Starautor wohl noch stundenlang Bücher.

Ein interessanter Abend geht zu Ende, den Günter Keil geschickt moderiert und damit Jo Nesbø den Weg bereitet hat, viele Imformationen über sein eigenes und das Leben seines Helden Harry Hole zu erzählen – und vielleicht ist Koma nicht das letzte Buch dieser Reihe. Dieses Geheimnis, ob es weitergeht mit Harry, war dem Autor dann aber doch nicht zu entlocken. Und es war auch ein hörenswerter Abend, einerseits, weil die Ausschnitte aus dem neuen Buch geschickt ausgewählt waren, andererseits, weil Oliver Mommsen mit seinen schauspielerischen Qualitäten anschaulich und fesselnd die Szenen las.

Oliver Mommsen - Jo Nesbø - Günter Keil

Oliver Mommsen – Jo Nesbø – Günter Keil

Ich sag jetzt Tschüss, denn jetzt Koma wartet darauf, von mir weiter gelesen zu werden.

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2 Antworten zu Jo Nesbø stellt seinen neuen Thriller vor: Koma

  1. karu02 schreibt:

    Pass auf, dass Du nicht in dasselbe fällst, sonst kannst Du uns keine Empfehlung schreiben.

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