Toni Feller: Die Sünde

Exif_JPEG_PICTUREFachmännisch abgetrennte menschliche Körperteile werden mit Botschaften in lateinischer Sprache verschickt. Der Empfänger: KHK Nawrod, ein Ermittler, der Fälle mit ungewöhnlichen Methoden löst. Zusammen mit der jungen türkischen Kollegin Nesrin Yalcin soll er klären, wer Täter und Opfer in diesem seltsamen Entführungsfall sind.

Ein Tappen im Dunkeln, ein Rennen gegen die Zeit, denn Opfer Nr.1 überlebt nicht und es gibt ein Opfer Nr. 2.

Was zunächst für Nawrod und Kollegin nicht ersichtlich ist, erfahren die Leser gleich zu Beginn: Es geht um die „Aufarbeitung“ von Fällen des Missbrauchs von Ministranten durch Priester.

Sicherlich kein Thema, das allen Thrillerfans gefällt, aber ein Plot, der so ist wie ein guter Thriller sein soll. Mit steigernder Spannung, Cliffhängern am Ende einiger Kapitel, dann, wenn von dem Handlungsstrang der Ermittlung wieder umgeschaltet wird auf die Seite der „Aufarbeitung“. Dazu ein recht eigenwilliger Ermittler und eine superflapsige junge Kollegin, sauber charakterisiert. Am Schluss ein großes Showdown mit Nawrod in Todesgefahr.

Wenn da nicht die angestaubte, sehr förmliche Erzählweise des Autors wäre. Sachbücher – und solche hat der ehemalige Kriminalbeamte Toni Feller etliche geschrieben – können nicht trockener sein. Diese Sprache setzt sich auch noch in der direkten Rede in Gesprächen des Ermittlers mit seinen männlichen Kollegen fort, dagegen ist die Sprache der Nesrin Yalcin überfüllt mit lockeren Sprüchen, die zum Teil dermaßen übertrieben wirken, wie die andere Seite trotz derber Kraftausdrücke von der Förmlichkeit des Beamtendeutschs strotzt- soweit es sich nicht um Dialoge zwischen Nawrod und Yalcin handelt, in denen der Kommissar den Jargon der Kollegin zu adaptieren versucht.

Die Story selbst wirkt authentisch, insbesondere die Abläufe bei der Ermittlung. Kein Wunder, bringt doch Feller aus seiner Erfahrung im Beruf bei Sitte und Mord vieles ein.

Dank an Toni Feller, der mir sein Buch auf der Frankfurter Buchmesse in netter Weise empfahl – wenn er doch nur so natürlich schreiben würde wie er spricht!

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Erschienen: Deutschland 2013

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Eine Antwort zu Toni Feller: Die Sünde

  1. karu02 schreibt:

    Trocken kann ja sehr reizvoll sein aber hölzern darf gar nicht. Danke für die Warnung.

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