Monika Geier: Die Hex ist tot

Für Freundinnen und Freunde des fein erzählten Kriminalromans ist dies ein lesenswertes Buch, mit wenig Spektakulärem, nichts richtig Brutalem. Für mich allerdings mit einem zu wenig spannungsgeladenen jedoch phasenweise ungewöhnlichen Plot. Die Charaktere, allen voran die ermittelnde Kommissarin Bettina Boll als Hauptakteurin, sind sorgfältig beschrieben mit all ihren positiven wie negativen Besonderheiten. Leute wie Du und ich, herausgegriffen aus dem Alltag – und da gibt es nette und fiese, verschlagene und verschrobene Zeitgenossen, auch solche, die sich nicht an die Gesetze oder nicht an übliche Gepflogenheiten halten. Ein breites Spektrum an Verhaltens- und Denkweisen. Dies alles ist zusammengeführt in Monika Geiers „Die Hex ist tot“. Manchmal hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass die Autorin meine finsteren Gedanken kennt, die zuweilen in meinem Kopf herumspuken. Oder meinen unfreundlichen Nachbarn, dem ich nicht so recht über den Weg traue.
Ein Krimi, wie aus dem Leben gegriffen.

Der CulturBooks Verlag stellt das eBook – das auch auf Papier als Ariadne Kriminalroman erschienen ist – so vor:

Eine Serie aufgestemmter Gullideckel, das ist doch wohl kein Fall für die Kriminalpolizei! Es sei denn, im darunter liegenden Kanalschacht steckt eine Leiche. Kommissarin Bettina Boll, in diesem Fall „ausgeliehen“ an die Lautringer Kripo, stößt zunächst auf kollektives Mauern, dann auf merkwürdige Märchenmotive. Sogar in ihrer Familie taucht eine Hexe auf. Und das Morden geht weiter.

Tobias Gohlis schrieb in Die Zeit zu einem der vorhergehenden Bettina-Boll-Krimis:

Boll ist zwerfellerschütternd normal, eine Frau wie Hunderttausende, verliebt, unbeherrscht schlampig, manchmal mit Migräne, immer mit Intuition und scharfem Verstand. Monika Geier verfügt über die Bösartigkeit aller guten Kriminalautorinnen, über Witz und die Raffinesse für wirklich subtile Plots.

Die zwechfellerschütternde Normalität der Hauptfigur habe ich leider in diesem Krimi genauso wenig erkannt wie eine besonders erwähnenswerte Bösartigkeit der Autorin, wobei ich ihr einen gewissen Witz, der allerdings zuweilen in simple Lustigkeit abdriftet, nicht abspreche. Dass der Plot aber zuweilen raffiniert angelegt ist, darin stimme ich Gohlis zu. Und deshalb halte ich Die Hex ist tot, vor allem aber weil er fein erzählt ist, für einen lesenswerten Kriminalroman.

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Erschienen: Deutschland 2013

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