Friedrich Glauser: Totenklage

Exif_JPEG_PICTUREKennen Sie etwa noch Friedrich Glauser (1896-1938), jenen Schweizer Schriftsteller, der in seinen letzten Lebensjahren fünf Kriminalromane um den Wachtmeister Studer schrieb?

Es ist der Glauser, nach dem einer der bedeutendsten Krimipreise für deutschsprachige Autoren und Autorinnen benannt wurde.

Friedrich Glauser hat neben den fünf „Wachtmeister-Studer-Bänden“ Kurzgeschichten geschrieben, von denen zwei in einem kleinen Büchlein des Verlags Literatur-Quickie erschienen sind.

Titelgebend ist die Erzählung Totenklage

Eine Frau erschießt ihren geliebten Freund. Sie will einen anderen Mann heiraten und frei für die Ehe sein. Es ist eine tragische Geschichte, denn der Freund ergreift nach dem Schuss die Waffe und möchte seinen Tod wie Selbstmord aussehen lassen. Wolkenreh, so nannte der Freund seine große Liebe und Mörderin, gibt nun in einem Monolog zunächst dem Toten die Schuld an der Tat, beschimpft ihn wegen seiner gleichgültigen und wenig aktiven Art, das Leben zu gestalten – oder es nahezu von Wolkenreh gestalten zu lassen. Sie erklärt, dass sie nun einen „starken“ Mann heiraten wird, keinen Looser. „Solche Menschen wie Du, was tun die eigentlich auf dieser Welt?“ Aus der Beschimpfung wird im Laufe der Erzählung Verständnis und Mitleid. Aus einer Schimpfkanonade werden Tränen der Trauer. Im Klappentext heißt es: „So scheint dieser (Selbst-)Mord das Mittel zweier Liebender zu sein, um sich endlich trennen zu können.“

Eine ergreifende und nachdenkenswerte Erzählung auf 15 Seite eines Heftchens im Pixibuch-Format. (So wird diese Reihe mit Autoren wie Franz Kafka, Zoë Beck und Friedrich Ani, aber auch für mich unbekannte beworben). Büchlein, die während der Zeit gelesen werden können, in der eine Fünf-Minuten-Terrine erwärmt wird, aber wesentlich gehaltvoller! Eine nette Idee des vier Jahre alten Hamburger Verlags mit seinem „Programmverantwortlichen“ Lou A. Probsthayn.

Übrigens: Die zweite Geschichte in diesem Büchlein heißt „Der Kleine“ und handelt von dem Vater, dessen Kind nicht wieder nach Hause kommt. Der Vater lässt die letzten Jahre mit dem Kleinen noch einmal Revue passieren, hofft, dass der Junge bald wiederkommt. Es klingelt, ein Unglücksfall…….., er muss allein weiterleben, ohne den Kleinen.

Der Kleine ist ebenso lesenswert wie die Totenklage.

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7 Antworten zu Friedrich Glauser: Totenklage

  1. karu02 schreibt:

    Danke für den Hinweis, diesen Autor kannte ich noch nicht.

  2. karu02 schreibt:

    Ich habe gerade zwei Glauser-Bücher, auch die Totenklage, bei Amazon als Kindle-Edition bestellt. Eines davon gratis. Die Totenkalge kostet 1,99.

  3. Lakritze schreibt:

    Ah, der Glauser! Nicht nur gute Geschichten, sondern auch gut erdachte Gestalten und eine schöne Sprache. Danke fürs Besprechen; die Kurzgeschichten kannte ich nicht, nur die Wachtmeister-Studer-Romane. Da werde ich noch mal schauen.

  4. Lakritze schreibt:

    (Achso, vielleicht noch ein Hinweis: Glausers Leben verlief dramatisch. Internat, Fremdenlegion, Psychiatrie. Der Mann wußte, wovon er schrieb.)

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