Jean-Luc Bannalec: Bretonische Brandung

Exif_JPEG_PICTUREDass das Meer blau sei, hatte Dupin aufgehört zu sagen. Denn es stimmte nicht: das Meer war nicht einfach blau. Nicht hier in dieser magischen Lichtwelt. Es war azur, türkis, cyanblau, kobaltblau, silbergrau, ultramarin, helles Wasserfarbenblau, bleigrau, nachtblau, violettblau….Blau in sicher zehn, fünfzehn verschiedenen Grundtönen und schier unendlich vielen Zwischentönen.

Auch über die drei Leichen, die an einer kleinen Insel der Glénan angespült worden sind, muss sich der Kommissar Gedanken machen. An Feinden hat es den Opfern zu Lebzeiten nicht gefehlt und Dupin erkennt vier klare Mordmotive. Doch das kleine Archipel vor der Südküste des Finistères, jener Region der Bretagne, die die Römer als Ende der Erde bezeichnet haben, verbirgt vieles: versunkene Schiffe mit Schätzen an Bord, Naturprodukte, die durch blaue Biotechnologie nutzbar gemacht werden könnten, Möglichkeiten für den sanften Tourismus, Hass zwischen den Bewohnern und viel Mythologisches.

In diesem Gemenge ermittelt café-Junkie Dupin, sich mit Unmengen cafés und ab und zu einem guten Essen motivierend.

Wäre es nicht die Bretagne mit ihren einzigartigen Naturerscheinungen, Menschen und der Geschichte, der aus Paris stammende Kommissar würde an dem Fall verzweifeln. So kann er sich aber immer wieder ablenken, schaut in die Natur und lässt sich von seiner Assistentin die Bretagne erklären.

Dem Leser kommt die Schwärmerei des Autors für diese Landschaft entgegen, auch wenn sie manchmal recht dick aufgetragen ist. Die Erzählweise, eine Liebeserklärung an das Finistère, entspannt und macht das Verbrechen erträglich. Und am Ende schließt man sich Dupins Sichtweise der Dinge über den Ablauf des Verbrechens an – und die ist recht seltsam, jedoch unter dem Himmel der Bretagne nachvollziehbar.

Dem Autor, der sich Jean-Luc Bannalec nennt, ist es wiederum gelungen (nach seinem Erstling Bretonische Verhältnisse) einen Soft-Krimi/Reiseführer zu schreiben.

Das gefällt Freunden der Bretagne, aber auch den Fans eines leichten, nicht brutalen Kriminalromans.

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17 Antworten zu Jean-Luc Bannalec: Bretonische Brandung

  1. Pingback: Einladung zur KrimiLese | Philipp Elph

  2. richensa schreibt:

    Habe auch den Erstling gelesen, beide im gerade zurückliegenden Frankreichurlaub.
    Beides nette Geschichten, die sehr französisch sind, mir haben aber einige Übersetzungen ganz und gar nicht gefallen, da scheint den Übersetzern der passende deutsche Ausdruck einfach nicht eingefallen zu sein…

  3. karu02 schreibt:

    Danke für die interessanten Infos. Das wusste ich so noch nicht. Ich habe beide Bücher gelesen, hauptsächlich wegen der Landschaftsbeschreibungen. Sofort wollte ich wieder dorthin, habe gleich nach Unterkünften gesucht. Mir sind auch die vielen holprigen und teilweise klischehaften Stellen in den Büchern aufgefallen. Es hat mich ein bisschen gewundert, dass diese „Unterhaltungskrimis“ gleich so hoch gestiegen sind in den Listen.

  4. Wolfgang Otto schreibt:

    den Ersten habe ich auch gelesen, jetzt muß ich doch auch mal den zweiten Bannalec zur Brust nehmen.
    Schön daß Du jetzt einen speziellen Buch blog betreibst, bin schon sehr gespannt.

  5. Lakritze schreibt:

    Ich habe keinen der Krimis gelesen, aber bei Philea über den Bretonen-Iren-etc.-Hype gelesen. Ernüchternd, wirklich. Können ist … wenig, Vermarktung alles.

    • Philipp Elph schreibt:

      Es ist schon bemerkenswert.
      Einerseits: Wenn ein auch noch so trockenes Baguette in einem Krimi, der in Frankreich spielt, vorkommt, handelt es sich um einen „Kulinarischen Krimi“. Ist der Handlungsort „die Bretagne“, hebt das die Aufmerksamkeit für eine noch so lahme Story noch mehr.
      Andererseits: Diese Themen resp.Autoren lassen sich selten über einen längeren Zeitraum vermarkten.

      • Lakritze schreibt:

        Aber Qualität sichert auch nicht das Nachleben. Wer liest denn heute noch Friedrich Glauser, beispielsweise? Von vielen guten Texten, die es mangels, ja, was, Vermarktbarkeit überhaupt nicht zwischen Buchdeckel schaffen?

      • Lakritze schreibt:

        (Huch? Kommentar verschluckt. Nochmal:)
        Aber wie kommt dann Qualität zwischen Buchdeckel? Und (Krimi-)Qualität sichert auch das Nachleben nicht; wer liest denn heute noch Friedrich Glauser, beispielsweise?

      • Philipp Elph schreibt:

        @ Lakritze: Ein Kommentar landete im Spam-Ordner.
        Ja Krimis sind ein zumeist kurzlebiges Geschäft. Ein paar alte Klassiker haben in Buchform überlebt (E.A.Poe, D.Hammet, A.C.Doyle, H.Slesar, a.Christie und noch ein paar andere), andere sind längst vergessen. Oder dürfen im Namen einen Preises weiterleben wie F.Glauser.

  6. Tina schreibt:

    Hallo!
    Ich habe auch beide Krimis gelesen und gemocht.Muss allerdings sagen, dass ich mir für den dritten Teil( der im Sommer kommt) doch etwas mehr Raffinesse und gerne auch mehr Spannung wünsche. In den ersten beiden Teilen genügte es mir durchaus, mit viel Lokalkolorit und sympathisch verschrobenen Charakteren durch eher gemächliches Krimigewässer zu schippern…aber nun darf der Autor ( wer auch immer sich dahinter verbirgt) bitte etwas „zulegen“ und mehr Wert auf gekonnt verwobene falsche und richtige Fährten legen. Denn nur Lokalkolorit ist auf Dauer zu wenig, um anspruchsvolle Leser zu fesseln.

    • Philipp Elph schreibt:

      Als „atmosphärisch bezauberndes Krimivergnügen“ wird der 3. Fall beworben, der im Juni 2014 auf den Markt kommt. Es scheint dann wohl so „cosy“ weiterzugehen wie bei den vorhergehenden Krimis des Jean-Luc Bannalec.

  7. Pingback: Jean-Luc Bannalec: Bretonischer Stolz | KrimiLese

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