Sara Gran: Die Stadt der Toten

P1000146Ungewöhnliche Krimis sind entweder gut oder schlecht. Die Stadt der Toten ist eine ungewöhnliche Geschichte und gut. Privatdetektivin „Claire DeWitt ist keine Miss Marple, Lisbeth Santander ist im Vergleich zu ihr flach“. Das schrieb Tobias Gohlis  in DIE ZEIT (5.7.2012, Nr.28). Und so ist es auch. Sie kombiniert genial wie Sherlock Holmes, hat auch ein Drogenproblem, vertraut aber andererseits auf I Ging und die Detektivbibel Détection von Jaques Silhette, dessen unverständlicher Ratschläge und Aphorismen sie sich bedient.

Ins New Orleans zwei Jahre nach Hurrikan Katarina verschlägt es „die beste Privatdetektivin der Welt“ – so bezeichnet sie sich selbst –, in die verwüstete Stadt, die Stadt der Toten, in der noch immer Chaos herrscht. Korruption und Banden Jugendlicher, die dealen und mordend ohne jeglichen Halt und ohne ersichtliche Zukunft durch die verwüstete Stadt ziehen, sind die sichtbaren Zeichen des Lebens der City of the Death. Nur wenige Menschen wie Staatsanwalt Vic Williams versuchten schon vor Katarina Normalität ins Leben der jungen Menschen zu bringen. Und dieser Gutmensch ist nun verschwunden. Claire DeWitt erhält den Auftrag herauszufinden, was mit ihm passiert ist. Mit ihrer Erfahrung, den kryptischen Tipps von Silette, durch Träume, Halluzinationen und I Ging ermittelt die Detektivin und kommt der Wahrheit näher. Einer Wahrheit, die keinem außer sie selbst interessiert, besonders nicht ihrem Auftraggeber.

Sara Gran lässt die Protagonistin cool und zuweilen voller Sarkasmus vom Leben und der Arbeit erzählen. Eine Perspektive für die Stadt sieht Claire DeWitt nicht, auch keine für die Jugendlichen, es sei denn, sie verließen die Stadt. Ein trostloses Szenario, in dem die schillernde Agentin eine Ausnahme ist. Eine Persönlichkeit, die von der Autorin auf’s Feinste geschildert wird und mich begeistert hat. Das Verschwinden des Staatsanwalts und die Gründe dafür erscheinen nebensächlich. Claire de Witt steht im Mittelpunkt dieses Romans und die Charakterisierung ist Sara Gran in höchstem Maße gelungen.

Ein phantastisches Buch und die Aussicht, dass wir nach diesem ersten Band in weiteren Romanen mehr von der großartigen Erzählerin Sara Gran über die faszinierende Claire DeWitt, ihre Erkenntnisse und Fälle erfahren.

______________________________________________________

Originaltitel: City of Dead, USA 2012, dt.2012 (Übersetzung: Eva Bonné)

______________________________________________________

Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 06.02.2013 auf http://philipp1112.wordpress.com

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rezension abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Sara Gran: Die Stadt der Toten

  1. Pingback: Sara Gran: Dope | KrimiLese

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s