Marc Ritter: Herrgottschrofen

Exif_JPEG_PICTUREFür Krimiliebhaber, die neben einer guten Story Witz, Satire und oberbayrisches Lokalkolorit lieben. Den Stoff dafür liefert der ehemalige Polizeireporter Gonzo, aber auch ein zwielichtiger Unternehmer, der königlich regierende Bürgermeister, der pfiffige bayrische Landesvater und viele andere. Charaktere, die sehr gut aus einer Komödie des bayrischen Komödienstadels heraus gesprungen sein könnten. Das Ganze spielt vor dem Alpenpanorama des Werdenfelser Landes, hauptsächlich in Garmisch-Partenkirchen.

Gonzo, nach seiner Karriere in München jetzt ein heruntergekommener Reporter des lokalen Käseblättchen, findet just dort Leichenteile, wo wenige Tage später der bayrische Ministerpräsident den ersten Spatenstich für eine Tunnelbohrung durchführen soll. Der Tunnel soll später die Stadt Garmisch-Partenkirchen verkehrsmäßig entlasten. Und es kommt noch besser, noch vor dem ersten Spatenstich fällt eine nackte Tote vom Hergottschrofen herunter, auf jenen zukünftig historischen Platz. Was ein echter bayrischer Ministerpräsident ist, lässt sich natürlich nicht die werbewirksamen Veranstaltung durch solche Nebensächlichkeiten verderben. Dabei wird er unterstützt vom Bürgermeister, der mit dem Tunnel sein Denkmal setzen möchte und davon träumt, dass das Bauwerk einmal seinen Namen tragen wird.

Mit Verwicklungen, Intrigen und Gezänk geht die Geschichte weiter, während der investigative Journalist Gonzo von der Obrigkeit kalt gestellt wird, indem man ihn zunächst wegen Mordverdachts in Stadelheim einschließt. Politiker und Unternehmer drehen nun am ganz großen Rad, der Krimi erfährt einige überraschende Wendungen, ebenso können geheimbündlerische Aktionen vermutet werden, und am Ende ist Gonzo – neben den üblichen Gewinnlern – der große Gewinner.

Es sind schon komische Zufälle und unglaubliche Übertreibungen mit denen die Leser konfrontiert werden. Der Kriminalroman ist mehr eine Posse, die Marc Ritter uns hier verkauft, manchmal mit so überschwänglichen Seitensprüngen sowohl im wahren Sinn des Wortes als auch im übertragenen Sinn, dass der rote Faden zeitweise nicht mehr erkennbar ist und man darüber sinniert, welche Geschichte der Autor denn erzählen will.

Da zudem die oberbayrische Mundart oftmals sehr eindrucksvoll aber für Leser aus ferneren Gegenden unverstehbar eingesetzt wird, ist dieser von ausgiebigem Lokalkolorit geprägte Roman ein eindrucksvolles Beispiel eines Heimatkrimis. Ein Buch eines Bayern für seine Landsleute und Begeisterte der oberbayrischen Sprache und Lebensgewohnheiten inklusive des dortigen Filzes.

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Erschienen: Deutschland 2013

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 20.05.2013 auf http://philipp1112.wordpress.com

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