Joachim Rangnick: Lämmerweid – Ein neuer Fall für Robert Walcher

Exif_JPEG_PICTUREEin Toter auf einer Schafweide im Allgäu, wo es am idyllischsten ist. Aber auch dorthin reicht der verheerende Einfluss der Agrarchemie und der Lobbyisten-Netzwerke von chemischer und Lebensmittel-Industrie bei ihren zumeist erfolgreichen und skrupellosen Bemühungen, genmanipuliertes Saatgut und die begleitenden Herbizide zu verbreiten und die Rechtmäßigkeit ihres Handels durch Gesetze zu legitimieren.

Beim Toten wird die Visitenkarte des Journalisten Walcher gefunden und damit gerät dieser ins Visier seines bisherigen Freundes Kommissar Brunner, der im Mordfall ermittelt und just Walcher in den Kreis der Verdächtigen einbezieht. So muß Walcher einen einsamen Kampf kämpfen, allein gegen oben genannte mafiöse Strukturen, bei denen er ebenfalls auf der Abschussliste steht, da er mit dem Lämmerweid-Fund in Verbindung stand. Zunächst muss jedoch noch ein anderer, ein sehr aktiver Biobauer sein Leben lassen und dann auch…….Und so geht das „Aus-dem-Weg-Räumen“ weiter, die „Organisation“ ist nicht zimperlich bei der Umsetzung ihrer Ziele und geht nicht nur mit Raffinesse sondern auch mit gehöriger Brutalität um, wobei auf ihrer langen Payroll auch diejenigen stehen, die für das Recht der Verbraucher, sprich unser Recht sorgen sollten. Aber wie es nun mal so im wahren Leben ist….

Obwohl der Handlungsstrang „Wie-fange ich den-Mörder“ zuweilen recht skurril und auch märchehaft erzählt wird, ist die Hintergrundstory um die Machenschaften von Politik, Industrie und deren Verbände erschreckend realistisch und nur stellenweise übertrieben – dann jedoch recht deftig.

Joachim Rangnick geht recht heftig mit den Mitglieder des bösen Netzwerkes um. So liest sich das Buch dann in mehreren längeren Passagen wie ein engagiert geschriebenes Sachbuch eines Journalisten zu den Lügen, die uns aufgetischt werden zu GMO, Chemie in Lebensmitteln, der Wirkung von Herbiziden und der Macht der Industrien, die daran verdienen und uns Gefahren verheimlichen. Und um die Politik und Wirtschaft, die das unterstützt und noch funktionierende Versorgungsketten zerstört.

Durch diese Erzählweise gerät der „simple“ Krimiteil von Morden und Ermitteln dann doch etliche Male und gegen Ende zunehmend in den Hintergrund. Damit wird auch das bißchen, was sich an Spannung ab und zu aufbaut, fast völlig zerstört. Schade, denn es hätte eine pfiffige Mischung werden können aus global angelegtem Thriller, klassischem Krimi, versehen mit einer guten Portion Allgäuer Provinzialität und Dialekt. So aber stören die Spannungstöter erheblich und mindern den Genuss der Lektüre.

Joachim Rangnick: hier zuviel Journalist, zuwenig Krimiautor.

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Erschienen: Deutschland 2013

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 02.03.2013 auf http://philipp1112.wordpress.com

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