Donna Leon: Tierische Profite – Commissario Brunettis einundzwanzigster Fall

Exif_JPEG_PICTUREProlog: Seit einigen Jahren endlich wieder einmal ein gelungener „Fall für Commissario Brunetti“.

Es fängt gut an: Eine Leiche außergewöhnlichen Aussehens liegt auf dem Tisch der Rechtsmedizin in Venedig und wird Donna Leon faszinierend beschrieben. Das mag daran liegen, dass der Erstochene an einem seltenen Symptom litt – dem Madelung-Fetthals -, das ihn so aussehen läßt, wie er nun da liegt. Für Brunetti ist diese Erscheinung ein Glücksfall, denn er hat den Toten, den keiner vermisst und der keine Papiere dabei hat, schon einmal gesehen, damals lebend. Der Commissario erinnert sich und so kommt er der Identität auf die Spur. Der Tote arbeitete als Amtstierarzt in einem Schlachthof auf dem Festland (von Venedig aus gesehen). Hier kommt Brunetti schließlich auf das Motiv für die Ermordung: Tierische Profite, wie es der Titel schon beschreibt. Pfiffige Leser ahnen es: Brunetti hat nicht nur einen Mord aufzuklären, sondern stößt auch auf einen Fleischskandal.

Verstrickungen und Verquickungen von Geldadel, Behörden und Kriminellen sind auch in diesem „Commissario Brunettis 21. Fall“ wieder das Thema wie in den 20 Fällen zuvor und wie in allen diesen Folgen hat sich das Personal im Kommissariat nicht geändert, ebenso wie die Familienverhältnisse bei den Brunettis konstant geblieben sind. Von minimalen Entwicklungen abgesehen – Sohn Raffi studiert nun nach einer Schulzeit von annähernd 20 Jahren -, ist alles wie gehabt. Dennoch ist dies erstmals seit vielen Jahren wieder eine Folge der Romane um Commissario Brunetti, die mir interessant, mit neuen Elementen versehen erscheint.

Sowohl die Schilderung der Leiche mit dem Madelung-Symptom als auch die exzellenten Beschreibungen anderer Personen treten neben der eigentlichen Ermittlungsarbeit und den Verhören Brunettis in den Vordergrund. In den Hintergrund sind dagegen Familie und Essgewohnheiten des Commissarios gerückt. Damit hat Donna Leon ein jahrzehntelanges immer fader werdendes Terrain der Brunettis zugunsten von Charakteristiken der Handelnden und der Handlung selbst verlassen. Auch der Spannung tut diese Entwicklung gut, auch wenn von einem Donna-Leon-Krimi kein packendes Show-Down zum Ende des Romans erwartet werden darf.

Aber das wissen Leser und Leserinnen und sie werden sich freuen, dass es Donna Leon mit diesem „Brunetti“ gelungen ist, die Langweile der letzten Fälle vergessen zu lassen.

Endlich wieder ein lesenswerter Kriminalroman der inzwischen 81jährigen Autorin!

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Originaltitel: Beastly Things, USA 2012, dt 2013 (Übersetzung: Werner Schmitz)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 28.06.2013 auf http://philipp1112.wordpress.com

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