Camilla Läckberg: Der Leuchtturmwärter

Exif_JPEG_PICTUREBlutverschmiert flüchtet Annie mit ihrem kleinen Sohn vom schwedischen Festland auf eine kleine Insel mit stillgelegtem Leuchtturm vor der Westküste des Landes. Ein furchtbares Ereignis war Auslöser für diese Flucht auf das unbewohnte Mini-Eiland, auf dem neben dem Leuchtturm nur ein Haus steht, das früher von Annies Eltern bewohnt wurde. Die Insel ist bekannt als Geisterinsel. Menschen, die den Tod dort fanden, sollen die Insel nie verlassen haben und herumspuken.

Kurze Zeit später wird in dem kleinen Ort Fjällbacka, dem nächsten Ort am Festland, Annies Jugendfreund Matte ermordet aufgefunden. Matte hatte Annie einige Tage nach ihrer Ankunft am Zufluchtsort besucht. Keiner versteht, warum der Gutmensch Matte ermordet wurde. Patrik Hedström und seine Kollegen, die den Mord aufklären sollen, stehen vor einem Rätsel. Matte war in seiner Arbeitswelt ein von allen geachteter Mensch. Die Kommissare von Fjällbacka finden jedoch keine Anhaltspunkte wie der Ermordete sein Privatleben gelebt hat. Die Suche nach Informationen über den Toten führt Patrik auf die Leuchtturminsel zu Annie. Er wird begleitet von seiner Frau Erica, einer Schriftstellerin, die mit Annie zur Schule gegangen ist. Sie finden Annie in einem Schockzustand vor, Annies Sohn sehen sie nicht. Er wäre krank und würde schlafen, erzählt ihnen die Mutter. Zu Mattes Leben in den letzten Jahren kann die ehemalige Freundin auch nichts beitragen und so gehen Patrick und Kollegen einigen Ermittlungsansätzen nach, die aber alle zunächst nicht zu einer heißen Spur führen. Nach und nach kommt dennoch Licht in die Dunkelheit von Mattes Leben und führt schließlich dazu, den Mord an ihm und noch einen weiteren aufzuklären.

Dabei gibt sich Camilla Läckberg riesige Mühe, durch viele Erzählstränge eine große Anzahl von Motiven zu liefern, von denen sich die meisten als falsche Fährten erweisen. Zudem werden weitere, für die Story völlig bedeutungslose Nebenschauplätze entwickelt. Das sorgt zunächst für Verwirrung, da lange Zeit ungewiss bleibt, was wirklich von Belang ist und was nur Füllsel. Und diese Verwirrung war mir lästig.

Gut dagegen: Die eingestreuten Episoden aus der Vergangenheit der Leuchtturminsel mit den ehemaligen Bewohnern von vor über 100 Jahren, ihrem Schicksal auf der Insel und denen, die dort geblieben sind. Auf diesen Teil bezieht sich auch der Titel des Buches.

Diese Episoden sind fesselnd, nicht dagegen die Tragödie vom Autounfall von Erica und ihrer Schwester, an der Erica zwar viel zu knabbern hat, mir aber den Handlungsfluss störend vorkommt. Es mag sein, dass die wahren Fans der Reihe mit Patrik und seiner Familie diesen Teil des Krimis, die Familiengeschichte und das Leben in Fjällbacka als wichtig empfinden. Für mich als Einsteiger beim 7. Fall waren es lästige Parts. Ich liebe zwar komplexe Darstellungen, sie müssen aber Teil des Ganzen sein und nicht verloren neben dem eigentlichen Plot wirken.

Schade, dass diese düstere Geschichte mit jeder Menge Tragik und einigem Gespukte durch Nebensächlichkeiten so verwässert wird – aber so erzählt Camilla Läckberg, die laut Brigitte “erfolgreichste Schriftstellerin Schwedens”.

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Originaltitel: Fyrvaktaren, Schweden 2009, dt. 2013 (Übersetzung: Katrin Frey)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 28.08.2013 auf http://philipp1112.wordpress.com

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