Elly Griffiths: Knochenhaus

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Dr. Ruth Galloway, forensische Archäologin, wird zu einem Skelett gerufen, das in einer Baugrube im englischen Norfolk gefunden wurde. Dem Skelett eines Kindes ohne Kopf. Ein Opfermord nach römischem Ritual oder ein Fund aus der Keltenzeit, Relikt des keltischen Kopfkults? Doch bald stellt sich heraus, dass die Knochen neueren Datums sind, vergraben unter einem nachgebauten römischen Portal mit der Aufschrift Omnia mutantur, nihil interit (Alles wandelt sich, nichts geht unter).

DCI Nelson übernimmt den Fall und versucht, nachdem der Knochenfund von der Archäologin datiert wurde, zu klären, wer vor rund 50 Jahren die Leiche des kleinen Mädchens auf geschichtsträchtige keltische oder römische Weise entsorgt hat. Jene Archäologin, die von Nelson schwanger ist, was dieser jedoch zunächst nicht weiß. Es passierte einige Monate zuvor, als die beiden nach Klärung eines anderen, ersten gemeinsamen Falles Totenpfad miteinander eine Nacht verbrachten. Und so nimmt die Schwangerschaft Ruths und der Umgang mit dem Fakt, dass der künftige Kindesvater (glücklich verheiratet, 2 Töchter) von seinem “Glück” noch nichts weiß, die beiden aber in diesem Fall ständig miteinander zu tun haben, den weitaus größeren Teil des Buches ein als die Klärung um den Fund des Skeletts.

Mysteriös sind kapitelweise eingeflochtene Tagebuchauszüge eines eigenartigen Individuums, das nicht so ganz in unsere Zeit zu passen scheint und mit einer altertümlichen Wortwahl und krausem Denken – er schreibt immer davon, römischen Göttern Opfer zu bringen – auf sich aufmerksam macht.

Zudem erhält Ruth eigenartige Opfergaben, sieht ihren Namen an einer Ausgrabungsstätte in Blut geschrieben. Sie wird bedroht, doch von wem?

Es braucht eine lange Zeit, bis der Leser die Tagebuchauszüge und Zeitsprünge zwischen den Aufzeichnungen und dem Heute zuordnen kann. Und dann gewinnt die Story an Fahrt. Es geht nicht mehr so sehr um die Befindlichkeit der Schwangeren und deren Beziehung zu Nelson, sondern um ein neues Opfer. Spannung pur beim großen Showdown. Ruths Freunde, ob Archäologe, Druide oder Polizist, laufen zu großer Form auf, um zu retten, was gerettet werden muß.

Nach dem ersten Krimi dieser Reihe um die forensische Archäologin und DCI Nelson, in dem es noch mehr um die Person von Ruth Galloway ging, gelingt es Elly Griffiths in diesem Buch weitaus besser, Spannung aufzubauen und – jedenfalls – in der zweiten Hälfte – einen interessanten und ereignisreichen Krimi zu schreiben. Handlungsplätze sind neben der Ruine mit dem lateinischen Spruch im Torbogen in Norwich, die einem noblen Apartmenthaus weichen soll, Ausgrabungsstätten in Norfolk und das dortige Salzmoor, an dessen Rand Ruth in einsamer Lage ein kleines Häuschen bewohnt.

Wegen der ersten Hälfte wollte ich das Werk zunächst als “Frauenkrimi” abtun. Das wäre aber falsch gewesen, denn Rettungsaktion und Auflösung des Falles sind doch recht großes Kino – auch für Männer.

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Originaltitel: A Room Full of Bones, Großbritannien 2010, dt. 2012 (Übersetzung: Tanja Handels)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 10.09.2012 auf http://philipp1112.wordpress.com

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