Don Winslow: Die Sprache des Feuers

Brandstiftung! Woran erkennt man sie? Jack Wade, Spezialist im Erkennen von Brandstiftung und Schadensregulierer bei “California Fire & Life” kennt die Sprache des Feuers, sollte aber besser die Sprache von Korruption und die des organisierten Verbrechens verstehen.

Vehement klärt er auf, was passiert ist, als eine pompöse Villa, die vollgestopft war mit kostbarem antiken englischem Mobiliar, niederbrannte. Darin auch die Leiche der Frau des Villenbesitzers, einem reichen russischen Immobilienentwickler und- eigentümer.

Die Spuren des Feuers “erzählen” Jack Wade, was sich in der Nacht des Unglücks wirklich ereignet hat, nachdem die Polizei den Fall bereits als Unfall, ausgelöst durch Pamela, deren Leiche im Haus  gefunden wurde, abgetan hat. Die Polizei, vertreten durch Bentley, der durch sein Verhalten vor Jahren bewirkte, dass sein damaliger Kollege Wade aus dem Polizeidienst ausscheiden mußte. Doch Jack Wade gibt sich mit Bentleys Version nicht zufrieden. Er spürt nach im Leben des Nicky Vale, vormals Dasjatnik Valeshin, des Eigentümers der abgebrannten Villa und nicht nur Immobilienhai sondern auch kriminellen Ex-KGB-Agenten, der so einiges auf dem Kerbholz hat – inklusive Versicherungsbetrug. Und trotz vieler guter Ratschläge von verschiedenen Seiten, die Version des Polizisten zu akzeptieren und die horrende Summe für die Werte der Villa und die Lebensversicherung von Pamela zur Zahlung an den Versicherten und Nutznießer der Lebensversicherung freizugeben, ermittelt Wade weiter. Das ist sein Fehler.

Don Winslow beschreibt zunächst in diesem Roman die Ausbildung von Jack Wade zum Brandermittler, dabei die chemischen Reaktionen, die bei Bränden auftreten, die unterschiedlichen Materialeigenschaften und physikalischen Grundlagen, die bei der Entwicklung von Feuer von Bedeutung sind. Schon diese Kapitel sind interessant und spannend geschrieben. Während der Untersuchungen an der abgebrannten Villa erfahren wir noch mehr – wie sich Feuer aus unterschiedlichen Herden ausbreitet, wie Jack Wade aus Mustern, die das Feuer gelegt, hat Schlüsse zieht, was wirklich in der Nacht passierte, in der Pamela im Bett verkohlte. Verbissen klärt der Schadensregulierer den Fall, doch keinen scheint die wahre Quelle des Feuers zu interessieren. Winslow läßt seinen Helden nicht erkennen, was in Wahrheit gespielt wird, wer die Drahtzieher sind hinter der großen Nummer, die hier abgezogen wird, in der Wade nur der Spielball einer Gruppe von Gewinnlern ist, der er nicht angehört und schließlich auch nicht angehören will.

Trotz der zwölf Jahre, die das Buch schon alt ist – das Original wurde 1999 in den USA veröffentlich – hat man nicht den Eindruck einem Ladenhüter aufgesessen zu sein. “Brandaktuell” wäre ein treffender Ausdruck zur Charakterisierung dieses Romans. Erstaunlich, dass dieses Werk deutschen Verlegern nicht eher aufgefallen ist.

Und wieder ist es die klare, treffende Sprache, die auch dieses Buch Don Winslows so leicht lesbar macht. Kurze Sätze, Handlung auf den Punkt gebracht. So liebe ich Winslow. Dank an den Übersetzter Chris Hirte, der diese Sprache so gut “rüberbringt”.

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Originaltitel: California Fire and Life, USA 1999, dt. 2012 (Übersetzung: Chris Hirte)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 15.08.2012 auf http://philipp1112.wordpress.com

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