Antti Tuomainen: Der Heiler

Der Weltuntergang steht wegen Klimawandels bevor.

Ganze Landstriche sind unter Wasser, es regnet seit Wochen ununterbrochen, weltweit 650 bis 800 Millionen Klimaflüchtlinge!

Land unter auch in Helsinki.

Dort sucht Tapani Lethinen seine verschwundene Frau Johanna. Zuletzt war die Journalistin dem Heiler auf der Spur.

Der Heiler, ein mordender, Heilsbotschaften verkündender Irrer? Aus Johannas Unterlagen geht hervor, dass der Irre alle zwei bis drei Tage für die Ermordung einer reichen Familie verantwortlich ist. Wenn Johanna in seiner Nähe ist, ist sie in höchster Gefahr. Tapani steht bei der Suche unter immensen Zeitdruck und – aber das merkt er nicht sogleich – unter Beobachtung.

Der Heiler! In der Vergangenheit hat er vor dem Klimawandel gewarnt, Politikern, Behörden und Großunternehmen Untätigkeit und Ignoranz bezüglich der zu erwartenden Schäden vorgeworfen.

Nun vollzieht sich der Wandel und es sieht so aus, als ob der Heiler die Verantwortlichen für ihr Verhalten bestrafen will. Die Polizei kann die Bürger nicht schützen, private Sicherheitsdienste übernehmen die Kontrolle.

Düster Stimmung in einem Horrorszenario. Aus dem „Silent Spring“, der vor 50 Jahren von Rachel Carson prophezeit wurde, ist ein Horror-Herbst geworden. Aber nicht nur das ökologische System steht vor dem Untergang. Das ökonomische ist bereits am Kollabieren und gesellschaftliche Strukturen sind weitgehend aufgelöst. Unterschiede zwischen Gut und Böse sind nicht mehr wahrnehmbar, weil das Gute sichtbar nicht mehr existiert.

Antti Tuomainen beschreibt einen Ausnahmezustand, den wir nicht erleben möchten. Obwohl der Thriller nicht so visionär wirkt wie George Orwells „1984“, dieses Buch ist nun mal nicht mehr als ein Thriller, hat mich die Darstellung des Drumherums fasziniert – nur, dass ich es nicht haben möchte und auch nachfolgenden Generationen nicht wünsche.

Der Fall von Johannas Verschwinden, Tapanis Suche nach seiner Frau inklusive großem Finale werden spannend erzählt und so ist es nicht verwunderlich, dass das Buch 2010 mit dem Preis für den besten finnischen Kriminalroman ausgezeichnet wurde.

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Originaltitel: Parantaja, Finnland 2010, dt. 2012 (Übersetzung: Regine Pirschel)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 27.09.2012 auf http://philipp1112.wordpress.com

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