Andrea Maria Schenkel: Finsterau

„Wenn die Katz stirbt, erschlägt man auch die Brut.“

Das ist der Grund, weshalb auch der kleine Sohn Albert sterben muß und nicht nur seine Mutter, Afra. Albert, der uneheliche Sohn, den Afra 1944 gegen Ende des Krieges mit einem französischen Zwangsarbeiter gezeugt hat. Und weshalb mußte die Mutter sterben?

Die jüngere Generation wird kaum verstehen, welcher Makel Afra mit dieser Lebensgeschichte anhaftet. In dem kleinen Dorf im bayrischen Wald, zudem mit einem strenggläubigen Vater, ist das zu der Zeit die größte Schande, die man sich und seiner Familie antun kann. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass der Vater verdächtigt wird, seine Tochter und deren Bankert ermordet zu haben, nachdem es zwischen Vater und Tochter schon häufig zu Streitereien gekommen war. Da der alte, leicht demente Mann auch noch ein Geständnis unterschreibt, ist der Fall klar. Solange, bis 18 Jahre später durch einen Zufall die Geschichte um das alte Vergehen nochmals aufgerollt wird.

Andrea Maria Schenkel hat in ihrem vierten Roman wie beim Erstling Tannöd die Geschichte eines realen Verbrechens aufgegriffen und daraus diesen Kriminalroman entwickelt. Ähnlich wie bei Tannöd spielt die Geschichte in einem Milieu am Rande der Gesellschaft und beinhaltet Ereignisse, Verhaltensformen und moralische Vorstellungen, die uns heute weitgehend fremd erscheinen, obwohl noch gar nicht so viel Zeit seit jenen Ereignissen vergangen ist.

Der Roman wird nicht in der chronologischen Reihenfolge der Ereignisse erzählt, sondern aus den Blickwinkeln der verschiedenen Beteiligten des Geschehens um das Verbrechen herum in einer Art logischer Sequenz. Die Ereignisse sowie die Sichtweise der Handelnden werden mir als Leser verständlich und – wie es sich für einen guten Kriminalroman gehört – spannend dargestellt.

Nach dem beeindruckenden Erstling Tannöd (2006) und den belangloseren Romanen Kalteis (2007) und Bunker (2008) ist Andrea Maria Schenkel mit Finsterau ein weiterer lesenswerter Kriminalroman gelungen.

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Erschienen: Deutschland 2012

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 27.03.2012 auf http://philipp1112.wordpress.com

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