Melanie McGrath: Im Eis

Einen ungewöhnlichen Schauplatz bietet dieser Kriminalroman: Der Teil der zu Kanada gehörenden Hocharktis nördlich des 75. Breitengrades mit der Insel Ellesmere und einer fiktiven Insel Craig. Und zudem eine ungewöhnliche Geschichte.

In dieser Gegend ist die Halb-Inuit-Frau Edie Kiglatuk zu Hause. Sie ist Jägerin, arbeitet als Lehrerin und begleitet Touristen auf Jagdausflüge ins ewige Eis.

Für einen amerikanischen Touristen endet der Ausflug tödlich. Die Inuit, die in dieser Region noch eine eigene Gerichtsbarkeit haben, stellen zusammen mit der High Arctic Indigenous Police, das ist die Polizei für die Bewohner der Hocharktis-Region, den Tod als Unfall dar. Edie ist jedoch der Ansicht, dass der Amerikaner ermordet wurde. Als einige Monate ein weiterer Tourist, der mit Edies Stiefsohn Joe auf der Insel Craig unterwegs war, verschwindet, Joe dabei verwirrt nach Hause kommt und wenig später stirbt, sucht die clevere Jägerin nach Spuren, begibt sich auf die Jagd nach der Wahrheit, die offensichtlich unter das ewige Eis gekehrt werden soll. Was zunächst als Selbstmord Joes aussah, Edie findet heraus, dass es sich um Mord handelte. Und von dem verschwundenen Touristen entdeckt sie zersägte Knochen. Edie jagt die Mörder, schließlich wird aber sie die Gejagte.

Mit Unterstützung von Derek Palliser, einem der beiden High Artic Indigenous Police Mitgliedern auf Ellesmere, arbeitet sie sich unter großen Anstrengungen und Lebensgefahr an die Wahrheit heran und erkennt die wahren Interessen der Täter.

Melanie McGrath hat einen spannenden Kriminalroman und in einem authentisch wirkenden Rahmen über das Leben in der Hocharktis geschrieben. Diesem Buch liegen ausführliche Recherchen der Autorin zugrunde, die sie in einem Sachbuch über die Exilanten auf Ellesmere beschrieben hat (Hopping und The Long Exile), in dem sie die Geschichte der zwangsweisen Umsiedlung von drei Dutzend Inuit im Jahre 1953 von ihrem lieblichen Land am Hudson Bay in die unwirtliche hocharktischen Eiswüste mit Temperaturen bis -50°C und monatelanger Dunkelheit im Winter. Zweck war unter anderen, die Gegend von Ellesmere stärker zu besiedeln und kanadische Präsenz zu zeigen, um Russland davon abzuhalten, das Gebiet zu okkupieren.

Einiges aus dem Leben der Inuit heute erzählt Melanie McGrath. Sie berichtet von den Problemen, die sich aus der Abgeschiedenheit und der geschichtlichen Entwicklung von nahezu archaischen Jägern zu „modernen Mitgliedern unserer Gesellschaft“ innerhalb weniger Generationen ergeben.

Die Story wird aus der Sicht Edie Kiglatuks in herrlich klaren und verständlichen Gedanken erzählt. Ein großes Lob an die Übersetzerinnen Margarete Längsfeld und Sabine Maier-Längsfeld, die zudem vom Glaziologen Hans Örter unterstützt wurden. In einem kurzen Nachwort erläutert die Autorin zudem die Sprache der Inuit, Inuktitut, die durch die Notwendigkeiten des Lebens der Inuit geprägt wurde.

Ein fesselnder Kriminalroman und eine bisschen Stück Geschichte der Inuit, die wir bis vor Kurzem noch als Eskimos bezeichnet haben.

____________________________________________________________

Originaltitel: White Heat, dt. 2011 (Übersetzung: Margarete Längsfeld und Sabine Maier- Längsfeld)

_____________________________________________________________

Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 24.02.2012 auf http://philipp1112.wordpress.com

 
 

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rezension abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Melanie McGrath: Im Eis

  1. Pingback: Melanie McGrath: Zeichen im Schnee | KrimiLese

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s