Jörg Maurer: Oberwasser

Prolog

Es ist immer wieder ein Vergnügen, die Sprache Maurers zu lesen, seine skurrilen Wortschöpfungen und schrägen Gedanken zu genießen. Er ist halt in erster Linie pfiffiger, begnadeter Kabarettist, der mit Worten spielt. Und als solchen lese oder höre ich ihn gern.

Daneben – und inzwischen vom Bekanntheitsgrad wohl hauptsächlich – ist Jörg Maurer auch ein Krimiautor. Mit Oberwasser ist kürzlich der vierte Roman erschienen, dessen Hauptakteure Kommissar Jennerwein und Mitstreiter inklusive der örtlichen Polizisten dieser kleinen Stadt mit dem schwer auszusprechenden Doppelnamen am Fuße der Zugspitze sind Jenes alpenländischen Kurorts, der kürzlich bei der Vergabe olympischer Winterspiele leer ausgegangen ist. Dazu gesellen sich in der Regel einige bekannte, teilweise auch geachtete Bürger der Gemeinde – Handwerker, Geschäftsleute, Ratsmitglieder, Vereinsvorstände, Ratscheltanten, Wilderer und Fremdgänger – sowie wahlweise lokale, regionale, nationale und internationale Verbrecher kleineren und größeren Kalibers. Zuweilen sind auch gewisse Verknüpfungen zwischen den einzelnen Verbrecherindividuen oder -gruppierungen auszumachen. Die Fälle handeln größtenteils in dem kleinen Städtchen sowie der umliegenden Bergwelt, aber auch in der Welt der Verbrecher im Allgemeinen bis hin nach Palermo – wenn sie wissen, was ich damit meine.Touristen, Sportfunktionäre, Besucher von Internationalen Sportveranstaltungen agieren als Statisten.

Das sind zwar interessante Konstellationen. Maurer macht es der Leserin/dem Leser jedoch das eine oder andere mal schwer, seinen Gedankensprüngen zu folgen oder seinem Mäandern durch die Weltliteratur (Homer, Shakespeare, Hemingway u.a.) sowie durch diverse medizinische, naturwissenschaftliche (mehr Physik und Geologie denn Chemie oder Biologie), technische (Strömungsverhalten von Flüssigkeiten unter besonderer Berücksichtigung von Strudelbildung), historische, lokal kulinarische,numismatische, alpinistische, kriminalistische Themen aber auch durch die neueste Informationstechnologie.

Leser dieses Beitrags werden inzwischen erkennen, dass Maurer´sche Bücher allgemeinbildend sind und zumindest die wesentlichen stofflichen Inhalte der gymnasialen Oberstufe umfassen, soweit sie nicht die musischen Fächer betreffen, während sportliche Inhalte, soweit es sich um Schuchteln oder Wildwasserkanuing handelt, ausgiebig erwähnt werden. Sie – die Maurer’schen Alpenkrimis – entbehren jedoch nicht einer gewissen Spannung.

 Nun zu  Oberwasser  im Speziellen (falls es Sie interessiert und Sie meinen Ausführungen bisher folgen konnten):

 Hauptkommissar Jennerwein und sein Team werden erneut in oben erwähnte Stadt geschickt, um einem höchst vertraulichen Fall aufzuklären. Zwei Beamte des BKA sind verschwunden, die verdeckt vor Ort observieren, um in einem Fall von Verbrechen internationalen Ausmaßes zu ermitteln. Ganz im Geheimen müssen Jennerwein & Co arbeiten, damit die Arbeit des BKA nicht gefährdet und die restlichen BKAler nicht enttarnt werden. Das soll dadurch erreicht werden, dass der Bevölkerung des idyllischen Kurorts und deren Gästen ein Verbrechen vorgegaukelt werden soll. Ein Ablenkungsmanöver und wirres Verwirrspiel, unter dessen Deckmantel die Ermittlungen durchgeführt werden können ohne den Argwohn der Bösewichte auf sich zu ziehen. Auch Gisela – Kenner  Jennerwein’schen Methoden kennen sie – muss wieder ran und wird in gefährliche Einsätze geschickt.

Unter Einsatz seines eigenen und dem Leben anderer Mitstreiter gelingt es Jennerwein schließlich, diesen Fall zu lösen, nachdem er sich nicht von üblen Überraschungen und bedeutungslosen Nebensträngen ablenken ließ.

Eine amüsante Geschichte, die die Fans von Jörg Maurer begeistern wird – aber möglicherweise nicht jeden Krimifreund.

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 08.03.2012 auf http://philipp1112.wordpress.com

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Eine Antwort zu Jörg Maurer: Oberwasser

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