Inge Löhnig: In weißer Stille

Nach ihrem gelungenen Krimi-Debut mit Der Sühne Sold, erreicht dieser zweite Band von Inge Löhnig mit Kriminalhauptkommissar Dühnfort nicht ganz die Qualität des Erstlings. Stofflich handelt es sich zwar um einen brillanten Psycho-Thriller , der leider mit einer ganzen Reihe von Klischees behaftet ist. Sei es das des vermüllten, ungewaschenen Hackers oder die Atmosphäre des 5-Sterne Wellness-Hotels, insbesondere aber auch die Milieu-Beschreibungen aus der Welt der Hauptpersonen, ob nun die der etablierten Arztfamilie, des erfolglosen Architekten oder die von Vertriebs- und Marketing-Fuzzis der Süßwarenindustrie.

Der Zusammenhalt der Familie des tot aufgefundenen alten, nicht mehr praktizierenden Kinderarztes, auf den der Senior immer so viel Wert gelegt hatte, bröckelt ebenso wie die gesamte Fassade, mit der der Clan nach außen hin wirkt. Das Bild des Seniors verkommt im Verlauf des Romans von dem des schillerden Patriarchens zum Manipulator seiner Familie,  zum sadistischen Fremdgänger und Charakterschwein.

Kein Wunder, dass er auf grausame Weise getötet wurde. Aber von wem? Es werde falsche Fährten ausgelegt; ein fähig dargestelltes Ermittler-Team um Kriminalhauptkommissar Dühnfort ermittelt zunächst allerdings recht nachlässig. Dennoch gelingt es der Polizei-Truppe sowohl den ersten, als auch noch einen zweiten Mord aufzuklären.

Jedenfalls endet mit den Morden die Erfolgstory der bisher erfolgreichen Kinder des Alten. Was noch zusammen hielt, bricht völlig auseinander oder zusammen. Am Ende haben alle etwas oder alles verloren. Die Familie hört auf zu existieren. Ein bedrückender Ausgang eines Romans, dessen Inhalt  schnell in Vergessenheit geraten wird. Wirklich schade, denn es lagen interessante Aspekte in den Beziehungen von Manipulator und Manipulierten, von Betrügern und Betrogenen, Tätern und Opfern vor, die zu oberflächlich beschrieben wurden.

Im Februar soll ein dritter Band mit Kriminalhauptkommissar Dühnfort erscheinen, der Titel: “So unselig schön”. Und von dem erwarte ich, dass er auch qualitativ an Der Sühne Sold wieder heranreicht.

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Erschienen: Deutschland 2010

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 16.07.2010 auf http://philipp1112.wordpress.com

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Eine Antwort zu Inge Löhnig: In weißer Stille

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