Ilse Löhnig: So unselig schön

Vanitas-Stillleben vs. Wahn

Unter welchen Wahnvorstellungen lebt ein Mörder, der die kopflose Leiche seines Opfer, einer schönen jungen Frau, in einer Brauereirunine nahe München abgelegt hat – mit einem Schmetterling daneben.

Vicki fand die Leiche, als sie als Urban Explorer Fotos von dem verlassenen und verwahrlosten Gebäude machen wollte. Das Gesehene läßt sie nicht los und sie beginnt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, wer eine so grausame Tat ausgeführt haben könnte. Spuren führen zu Liebhabern von italienischen Vanitas-Stillleben und einem Kunsthändler in Hamburg, der auf Auktionen solche Gemälde anbietet.

Kommissar Konstantin Dühnfort stößt bei den Ermittlungen in seinem dritten Fall  auf den gleichen Personenkreis und einen ähnlichen Mord, der sechs Jahre zuvor in Düsseldorf geschah und bis heute nicht aufgeklärt ist. Es kommt wie es häufig kommt: Verhaftung von Verdächtigen, Durchsuchungen, die zu keinen Ergebnissen führen, ein weiterer Mord, die Verdächtigen erweisen sich als unschuldig.

Während Dühnfort mit seiner Mannschaft in der Szene zunächst hilf- und erfolglos hin- und hertappt, nähert sich Vicki unbedarft dem Mörder.

Durch geschickte Einblendungen versteht es Inge Löhnig, Stück für Stück von dem malenden Mörder preis zu geben, ohne dass der Leser zunächst auf die Person schließen kann. Nur soviel erfahren wir: Der Mörder versucht offenbar ein Trauma aus der Kindheit zu verarbeiten, eine große Enttäuschung, die ähnlich einem Erlebnis Baudelaires ist, das der Dichter in einem Gedicht beschrieben hat. ….dunkler Haare Massen… und die Bedeutung des Schmetterlings als Symbol in den Vanitas-Stillleben führen Dühnfort schließlich zur Lösung des Falles.

Vicki, dem Mädchen mit einer weitgehend freudlosen Kindheit und Jugend, gelingt es, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, wenn sie auch dabei knapp dem Tod entgeht. Dühnfort dagegen, erkennt die Zeichen seiner Kollegin Gina nicht und pendelt zwischen dem Hoffen einer gemeinsamen Zukunft mit Agnes und den gleichen Hoffnungen für ein Leben mit Gina. Es ist ihm zu wünschen- und ebenso den Lesern -, dass er einen weiteren Fall lösen darf, dabei auch seine private, familiäre Zukunft positiv entwickelt, sei es mit Gina oder Agnes.

Inge Löhnig hat mit „So unselig schön“ einen spannenden Kriminalroman geschrieben, mit einer frisch und kess agierenden Vicki einerseits und dem besessenen Mörder andererseits. Dühnfort und Team ermitteln zwischendurch so vor sich hin und tragen schließlich dazu bei, die Morde aufzuklären sowie Täter und Taten zu analysieren. Ein gelungener und lesenswerter Krimi – trotz kopfloser Leichen!

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Erschienen: Deutschland 2011

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 31.01.2011 auf http://philipp1112.wordpress.com

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2 Antworten zu Ilse Löhnig: So unselig schön

  1. Pingback: Inge Löhnig: Deiner Seele Grab | KrimiLese

  2. MariaTia schreibt:

    Das Buch gibt es übrigens seit diesem Jahr auch als als Hörbuch: http://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/loehnig-so-unselig-schoen-3586/

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