Dan Wells: Mr. Monster

Der 16 Jahre alte John Cleaver verkörpert die jungen Jekyll und Hyde. Auf der einen Seite versucht das Gute in ihm zusammen mit seiner Mom, ihn auf dem Weg der Tugend und des Braven zu halten, auf der anderen Seite befiehlt das Monster in ihm, die Regeln, die Mom und er sich selbst auferlegt haben, zu brechen.

John ist ein Soziopath, Pyromane, Tierfreund oder -quäler, Beseitiger eines Dämonen, einem Serienmördern ähnlich.

Einerseits mit dem Morgenspruch lebend: „Heute will ich gute Gedanken denken und jedem, der mir begegnet, ein Lächeln schenken“, andererseits besessen davon Schulkameradin Brooke auf perverse Art zu besitzen und zu beherrschen.

Da bahnt sich Fürchterliches an! Man erkennt, dass in John Kräfte herrschen, die dazu führen könnten, dass er die Regeln bald nicht mehr beherrschen kann.

Zunächst lebt John nach seinem ersten großen Abenteuer (Dan Wells: Ich bin kein Serienkiller) weiter in gewohnter Manier in der amerikanischen Kleinstadt Clayton im Mittelwesten. Mutter und deren Zwillingsschwester führen dort ein Bestattungsunternehmen, in dem John gelegentlich bei der Einbalsamierung der Leichen mithilft. Der soziopathisch veranlagte Junge nähert sich in diesem zweiten Teil der Well’schen Trilogie seiner Mitschülerin Brooke, einem feschen Mädel, doch beim ersten Date gibt es statt Küsschen eine Leiche. Bereits die dritte Frauenleiche mit ähnlichen Verletzungen in kurzer Zeit. Und ein zweites Mal versucht John das Muster des Killers zu ergründen. Hilfe verspricht er sich vom FBI-Agenten Forman, von dem er erhofft mehr über die Leichen und deren Verletzungen zu erfahren. Forman ist bereits seit Monaten in der Stadt, um die Serie vorhergehender Morde aufzuklären, die aber – John sei’s gedankt – vor einiger Zeit beendet wurde.

Während Mr. Monster noch einmal in John und der Kleinstadt aufflammt und sich die Beziehung zu Brooke vertieft, grübelt der brave John weiter über die Todesfälle und das Motiv des Täters.

Dabei gerät Mr. Monster fast in Vergessenheit, aber ein anderes Monster taucht auf, der Mörder der Frauen. Und während der Dämon in Band 1 mit Klauen und Reißzähnen die Opfer bearbeitete, haben wir es hier mit einem Dämon einer ganz anderen Art zu tun. Dabei driftet der zunächst als Krimi begonnene Thriller immer mehr in den Bereich Fantasy und Mystery ab. Johns Gegner fehlen die Emotionen und da er keine hat, stiehlt er sie von seinen Opfern. Wie das funktioniert, erkennt John und es gelingt ihm sogar, eine Waffe zu entwickeln, diesen Dämon zu schlagen und zu vernichten, ohne dabei selbst Opfer zu werden.

John wird zum Helden von Clayton – aber der nächste Dämon ist bereits von ihm identifiziert. Davon wird uns Dan Wells im letzten Band seiner Trilogie berichten.

Dies ist eine völlig abgedriftete Story, die nicht mehr damit zu tun hat, was ein biederer Krimi- oder Thriller-Fan erwartet.

Die Story ist einfallsreich aufgebaut. Lästig ist nur für denjenigen Leser, der bereits den ersten Band kennt, die Wiederholung weiter Teile des Inhalts, sowohl was die Tätigkeiten in der Leichenhalle betreffen als auch die Schilderung der Soziopathie Johns, seiner serienkilleranalogen Verhaltensweisen und des in ihm wirkenden Mr. Monsters als auch die Story der Verfolgung und Besiegung des werwolfartigen Dämons.

Alles in allem behielt Dr. Jekyll die Oberhand, das sei als Letztes verraten.

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Originaltitel: Mr. Monster, USA 2010, dt. 2010 (Übersetzung: Jürgen Langowski)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 14.05.2010 auf http://philipp1112.wordpress.com

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