Jörg Maurer: Föhnlage

Während eines Klavierkonzerts im Kulturzentrum des Alpenstädtchens mit dem für Ausländer unaussprechlichen Doppelnamen fällt der Türschließer von der Decke des Saals und nimmt einen Zuhörer zusammen mit sich selbst in den Tod.

Ein Fall für Kommissar Jennerwein und sein kleines Sonderkommando. Unfall, Selbstmord oder Mord? Das ist die Frage, die das Team zu klären hat. Steckt „der Russe“ oder die Mafia dahinter oder war es ganz einfach die selbstmörderische Abschiedsvorstellung des Türschließers, aus dem man im Ort nicht so richtig schlau wurde? Die Honoratioren und einfachen Bürger des Ortes spekulieren, der Bestattungsunternehmer wird unruhig und entwickelt ungeahnte Aktivitäten, die wohl mit anderen hilfreichen aber auch Gewinn bringenden seiner bestattungstechnischen Aktivitäten in Zusammenhang stehen. Jennerwein führt diese und andere Beobachtungen sowie Ereignisse zusammen und löst den Fall, wie man es von einem gestandenen Mannsbild in Bayern erwartet.

Jörg Maurer – Musiker sowie Kabarettist als auch Musikkabarettist – hat hier mit bajuwarischer Frische und feiner Satire eine Geschichte erzählt, vorgetragen so, wie er es bei sicherlich schon bei  zig1000 Auftritten als Kabarettist getan hat.

Den satirischen Stil hat er in seinem Erstlings-Kriminalroman „Föhnlage“ häufig verwendet. Er nervt teilweise beim Lesen, da dieser nahezu inflationär verwendet wird. Andererseits ist die Sprache von Jörg Maurer lebendig, vielfältig, dynamisch, wortreich, mitunter allerdings auch arg  philologisch-anspruchsvoll im Ausdruck. Elemente, die einem Teil der skandinavischen Krimiautoren völlig abgehen.

Ein humorloser Hardcore-Krimileser, dem es nur um die Lösung des Falles geht, und der Leser, den hauptsächlich die Befindlichkeiten des Ermittlers interessieren, werden dieses Buch nicht würdigen können. Es ist viel weniger ein aber auch ein Krimi. Wesentlich sind die Beobachtungen Maurers und die satirische Darstellung der Spießer, Wichtigtuer, der Schlitzohren, Klein- und Großkriminellen, der Polizeiarbeit und dem Rummel im Kurort unter besonderer Berücksichtigung des Föhns.

Wer unter diesem Aspekt das Buch liest, wird seine Freude haben an dem kabarettisierenden Spott des Autors.

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Erschienen: 2009

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 07.03.2010 auf http://philipp1112.wordpress.com

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Eine Antwort zu Jörg Maurer: Föhnlage

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