Elly Griffiths: Totenpfad

Neue Gesichter: Elly Griffiths als Krimiautorin,  die Archäologin Ruth Galloway als Protagonistin.

Ruth Galloway, Alleinstehende mit knapp vierzig Jahren, nicht dem Schönheitsideal magersüchtiger Modells entsprechend, Konfektionsgröße 44 tragend, das ist die Hauptfigur in Elly Griffiths’ Kriminalroman „Totenpfad“.

Weiterhin erfahren wir, dass Ruth am Rande des Salzmoors in Norfolk in einem kleinen unaufgeräumten Häuschen lebt, an der nicht üppig ausgestatteten Universität der Region in einem mickrigen Büro lehrt. Man traut der Frau Kompetenz zu.

So wird es wohl auch von Detective Chief Inspector Harry Nelson gesehen, der sie in der Uni aufsucht. Er bittet die Dozentin um Hilfe bei der Klärung des Todeszeitpunkts einer Mädchenleiche, die unweit von Galloways Häuschen im Salzmoor steckt. Doch die Vermutung des DCI’s, dass es sich dabei um Lucy handelt, einem kleinen Mädchen, dass vor zehn Jahren verschwunden ist, trifft nicht zu. Die Knochen, so weist die Archäologin nach, stammen von einem Kind, dass zur Zeit der Eisenzeit lebte.

Und damit sind wir als Leser drin in der Zeit von Heidentum und Mythologie, von jungsteinzeitlichen Ritualen und Opfertoden, über die Ruth nachdenkt und von der sie erzählt. Sie denkt auch viel über sich nach, über ihre Rolle als Frau in der Gesellschaft, in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, die vergangenen Beziehungen und die bisher nicht wahrgenommene Aufgabe der Arterhaltung. Glücklicherweise sind die Überlegungen der Protagonistin recht realistisch, nicht von Melancholie oder Alkohol getrübt wie das seit Jahren in anderen Romanen die Charakter von Ermittlern prägt. Die Story um des Verschwinden von Lucy kommt dabei allerdings recht kurz.

Dabei wird Ruth mehr und mehr in die Ermittlungen mit einbezogen. Der Klappentext verrät, dass sie dem Täter dabei sehr nahe ist. Das gibt dem Leser die Möglichkeit zu spekulieren und Vermutungen über den oder die Täter anzustellen, führt ihn auch schon recht bald auf die richtige Fährte, obwohl wie Nelson sich immer wieder ins Gedächtnis ruft , man keine vorschnellen Schlüsse ziehen sollte. So verschwindet ein weiteres kleines Mädchen und aus der Zeit, zu der Lucy verschwunden ist, zu der Zeit als die Ausgrabungen im Salzmoor durchgeführt wurden, tauchen mehr Personen auf, die damals die archäologischen Arbeiten durchgeführt oder zu verhindern versucht haben. Schließlich werden aus Freunden Widersacher und das ist der Start zu einem Finale mit einem Ausgang, den der Leser bereits mehr oder weniger vermutet hat, zumal auch in einem jeweils kursiv gedruckten Parallelstrang eine eigenartige Geschichte erzählt wird.

Geboten wird wenig Krimi, mehr die Betrachtungen von Ruth Galloway zu Gott, Geschichte,  Archäologie und dem Menschsein an sich. Einerseits ist es eine neue Geschichte, andererseits fragt man sich, was die Autorin als nächstes Thema anbietet, denn Ruth und ihre Gedanken sind erschöpfend behandelt.

Die Autorin, Elly Griffiths, hat mit ihrem ersten Roman in deutscher Übersetzung eine Welt beschrieben, die meines Wissens so noch nicht in einem Krimi verarbeitet wurde. Das ist gut so. Für eine richtig spannende Story hat es aber noch nicht gereicht.

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Originaltitel: The Crossing Places, Großbritannien 2009, dt. 2009  (Übersetzung: Tanja Handels)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 22.12.2009 auf http://philipp1112.wordpress.com

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