Jo Nesbø: Der Erlöser

Das ist kein hübsches Szenario: Mord zur Vorweihnachtszeit an einem belebten Platz und der Tote ist ein vielversprechender Jungsoldat der Heilsarmee. Das Ganze angesiedelt im Zuständigkeitsbereich von Kommissar Harry Hole (gesprochen Holy), der selbst dem Alkohol in krankhafter Weise verfallen, im Milieu der Heilsarmee  und damit im Milieu auch der Obdachlosen, der Alkoholiker und Junkies im Oslo der Gegenwart, ermitteln muss. Ein Auftragsmord, wie Hole bald feststellt, durchgeführt von einem skrupellosen Killer, einem Balkankriegs-erfahrenen Kämpfer, der hier nur einen Fehler machte, denn alles weist darauf hin, dass er den Falschen getötet hat.

Ja wäre er, der im Balkankrieg wegen seiner Intelligenz und Chuzpe „Der kleine Erlöser“ genannt wurde, doch nur planmäßig wieder in seine Heimat geflogen, aber das Flugzeug konnte wegen schlechten Wetters nicht starten. So erfährt er von seinen vermeintlichen Fehler durch die Schlagzeilen der Tageszeitung. Und wie ein gut gedrillter Krieger will er den Fehler wieder gut machen. Damit bringt er Harry Hole und seiner Mannschaft in große Probleme und noch größere Not auf der Suche nach dem Verbrecher und dem Hintergrund des Verbrechens. Dass kriminelle Energie aber auch unter dem Mantel der Frömmigkeit stecken kann – das zuerkennen ist ein weiter Weg für den Ermittler, dessen Vermutungen sich bei einem Besuch in Kroatien beim Kopf der Killerinstitution bestätigen.

Es wird aufregend, weil auch ein hochrangiger Politiker ins Schussfeld gerät. Harry Hole klärt den Fall, nachdem auch noch ein Kollege sich ins Grab verabschiedet hat und ein Container im Osloer Hafen Platz für weitere Morde sind. Auch ein Metzger ist dabei. Die Hunderasse kannte ich noch nicht, aber man sollte sich vor ihr hüten.

Es ist ein Roman, der seinen Ausgangspunkt in Korruption und Vergewaltigungen hat, der einen tiefen Einblick in die Arbeit der Heilsarmee zu geben scheint. Wie realistisch der ist, kann ich nicht beurteilen. Auf alle Fälle hat der Roman mit der Person des Killers eine außerordentlich lebendige Figur.

Fall und Charaktere – mal abgesehen von den immer wieder durch ähnliche Verhaltens- und Lebensweisen auftretenden Kommissare aus dem Nordlichtmilieu, sei es nun Wallander, Hole oder Erlendur – zeigen sich in lesenswerter Form – frisch und unverbraucht.

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Originaltitel: Frelseren, Norwegen 2005, dt.2008 (Übersetzung: Günther Frauenlob)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 29.07.2009 auf http://philipp1112.wordpress.com

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