Jefferson Bass: Eine Hand voll Asche

Seit einigen Jahren kennen wir die Bücher des Autorenduos Jon Jefferson, einem renommierten Journalisten, und Bill Bass, dem Gründer der Bodyfarm in Knoxville.

Thriller dieses Paares enthalten dabei neben Themen der forensischen Anthropologie auch Abschnitte, die auf wahren Begebenheiten beruhen, so auch in diesem Fall, in dem zwar nebensächlich aber ausführlich über ein Krematorium berichtet wird, in dem die Toten nicht verbrannt, sondern in Gruben und Gewölben verscharrt wurden – mehr als 300 Leichen wurden dabei gefunden.

Doch die eigentliche Story handelt von Dr. Bill Brockton, Professor der forensischen Anthropologie und Gründer der Bodyfarm, der einerseits herausfinden soll, ob die Leiche in einem verbrannten Autowrack bereits nicht mehr lebte, als das Auto in Brand geriet, und wie der Ablauf des Verbrechens gewesen ist. Andererseits könnte auf Brockton ein weiterer Mordversuch unternommen werden, denn Hamilton, der Brockton Freundin in den Tod schickte und es auch bei dem Forensiker versucchte, ist aus dem Gefängnis entflohen.

Während der Fall der Leiche im verbrannten Auto geklärt wird, nachdem die Bodyfarm-Forscher mit Experimenten einige neue Erkenntnisse über die Verbrennung von teilweise verwesten Körpern im Unterschied zu „frischen“ erhalten und tatsächlich den Ablauf des Verbrechens rekonstruieren können, kommt Brockton zusammen mit seiner Assistentin Miranda in höchste Gefahr.

Neben dem thrillermäßigen Ablauf erhalten wir eine kleine Einführung in die forensische Anthropologie aus erster Hand, dazu einige Kommentare über die sogenannte spontane menschliche Selbstentzündung. Sehr ausführlich beschäftigen sich die Autoren mit der Kremation. Alles, was wir über den Ablauf der Arbeiten in einem Krematorium schon immer wissen wollten, können wir hier nachlesen. Wir brauchen in diesem Fall weder Wikipedia, noch müssen wir auf dem bestatterweblog.de darüber nachlesen, obwohl es natürlich Unterschiede bei der Kremation in amerikanischen Krematorien zu den Gepflogenheiten in Deutschland gibt. Die Kremate jedoch – jene Hand voll Asche – sollten sich gewichtsmäßig in beiden Ländern nicht unterscheiden. Und dann gibt es auch noch eine kleine Einführung in die anthropologische Taphonomie, die sich allerdings wesentlich von der archäologischen Taphonomie unterscheidet. Darüber hinaus auch noch einige Ausführungen zur Taphonomie, so wie sie Kriminalisten in nicht-anthropologischer Hinsicht verstehen und anwenden. Was damit gemeint ist, möchte ich hier nicht erklären. Es steht ja alles in dem Buch drin.

Es ist ein herrlicher Thriller, den das Autorenpaar geschrieben hat, zumal er immer wieder aufgelockert wird durch Anekdoten aus dem Leben des forensischen Anthropologen Bill Bass.

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Originaltitel: The Devil’s Bone, USA 2008, dt. 2009 (Übersetzung: Elvira Willems)

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