Hallgrímur Helgason: Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen

MWA – Möglichst wenig Aufsehen –

das ist das Motto des kroatischen Auftragskillers Toxic, der seine Arbeit in New York verrichtet. Fünfundsechzigmal hat es geklappt, zumeist mit einem Schuss, auch bei dem Auftrag mit der Nummer 66 ist er erfolgreich, allerdings entpuppt sich das Opfer als FBIler und dessen Kollegen werden Augenzeugen der Arbeit Toxics.

Eine Auszeit, ein Urlaub in der alten Heimat, wird für den Pechvogel geplant. Aber wie es dann manchmal so mit Plänen ist: sie können nicht realisiert werden. Wie  in diesem Fall, denn als Toxic auf dem JFK dabei ist, Richtung Kroatien einzuchecken, bemerkt er zwei Kollegen seines letzten Opfers auf der Suche nach dem Täter.

Und so passiert es, dass Toxic in die Indentität wechselt. Er nimmt die eines amerikanischen Geistlichen an, der auf der Reise nach Island ist. Der Reverend reist statt dessen als Nr. 67 in die ewigen Jagdgründe, Toxic als Father Friendly nach Island.

Und dort erfüllt er   die Rolle, in die er geschlüpft ist, zunächst mit Zögern, dann in einer Fernsehsendung seiner neuen Freunde und Gastgeber, einem Fernsehpfarrer-Ehepaar.

Dabei vergleicht Toxic das Leben auf der kalten Insel mit seinen Erlebnissen in New York, seiner Vergangenheit als Soldat im Kampf gegen die Serben und der Studienzeit in Hannover auf naiv wirkende Weise, wobei die Meßlatte für die Attraktivität der weiblichen Wesen, die seinen Weg kreuzen einheitlich ist: Ihre Attraktivität wird daran gemessen, am wievielten Tag er sich für sie interessieren würde, wäre sie die einzige Frau in seiner Umgebung. So gibt es Tag 1- Wesen, aber auch Tag 365-Frauen und alles, was dazwischen ist. Die Tochter seiner frommen Gastgeber ist so eine Tag 6-Erscheinung und sie ist es, die Toxic zunächst versteckt, als seine Tarnung als Father Friendly auffliegt.

Toxic fängt an, von den Greueltaten seiner Soldatenzeit zu träumen und darüber nachzudenken. Das steht im krassen Gegensatz zu der Einschätzung der Realität, so wie Toxic sie sieht, während er von einem frömmelnden Priester bekehrt, das heißt aus der Hölle geholt wird, wie er von der Polizei verfolgt, davor versteckt wird, und wie der ehemalige Killer eine neue Identität als Isländer von seinen Kirchenfreunden und deren Helfern verpasst bekommt.

Das Ganze hat Witz, der sich allerdings mit vielen Kalauern mischt. Das aber macht die Gegensätze der Welten in denen Toxic lebte und gegenwärtig aufhält, erträglich, ja amüsant. Und so geht es bis zum Ende, einem blutigen.

Wer blutet, das wird nicht verraten und obwohl der Inhalt stark von Mord und anderen kriminellen Ereignissen geprägt ist, ist dieses Buch kein Kriminalroman, es ist vielmehr eine unglaubliche Geschichte, die zwischen Witz und Grauen hin und her pendelt. Ein kurzweiliger Roman.

Übrigens:  Tipps zu bekommen bedeutet noch nicht, diese auch anzuwenden – oder nicht immer.

__________________________________________________________________

Originaltitel: 10 ráð: til að haetta að drepa fólk og byrja að vaska upp, Island 2008, dt. 2010 (Übersetzung: Kristof Magnusson)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rezension abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s