Gerwens & Schröger: Stille Post in Kleinöd – Ein Niederbayern-Krimi

“So was Krasses ham die noch nie ned g’macht nicht.”

Ob es sich bei diesem Satz aus diesem Krimi um einen tautologischen Pleonasmus oder um eine Art pleonasmischer Tautologie handelt, eine Redewendung, die offensichtlich in Niederbayern üblich ist, kann ich nicht sagen. Es handelt sich jedenfalls dabei nicht um doppelte Verneinung, die sich aufhebt, sondern im oben aufgeführten Satz gar um eine Dreifach-Verneinung, eine Form, die in diesem Buch den Eingeborenen in Niederbayern in den Mund gelegt wird.*

Verantwortlich für den Inhalt dieses Krimis ist gebürtige Westfälin Katharina Gerwens, für die richtigen bayrischen Idiome Herbert Schröger, Münchener mit niederbayrischen Wurzeln.

Das Autorenpaar hat gekreißt und herausgekommen ist ein Regionalkrimi**. Glücklicherweise einer der besseren Art. Neben dem Mundartlichen, das mich so beschäftigt hat, dass ich schon anfing, meine Frau im niederbayrischen Jargon anzusprechen und zu fragen – aber sie hat es nie ned kapiert nicht – hat es die Story geschafft, mich zu fesseln. Obwohl es nicht appetitlich erscheint, als ein Toter in der einer Jauche- , Entschuldigung: Odelgrube  des kleinen niederbayrischen Dörfchens Kleinöd auftaucht. Nur gut ein Dutzend Häuser hat das Kaff, kaum mehr als doppelt so viele Bewohner, aber jeder hat entweder Dreck am Stecken oder trägt ein furchtbares Geheimnis mit sich herum. Die taffe Kettenraucherin und Kriminalkommissarin Franziska Hausmann, gerade von München in die Provinz versetzt, soll den Fall aufklären, herausfinden, wer dem Sonderling die Kehle durchgeschnitten hat und ihn in jenen unwirtlichen Ort entsorgt hat. Mauern des Schweigens einerseits und Niagarafall-artige Auskünfte der Dorfbewohner müssen dabei verarbeitet werden. Das idyllisch erscheinende Dorf wird zum Hort deftiger Verrufen- und Verruchtheit skurriler und allzu menschlicher Typen.

Ein Buch,  zum Schmunzeln mit recht gelungenem Spannungsaufbau, streckenweise jedoch recht konstruiert und unglaubhaft. Da aber die netten, schmonzettenhaften mundartlichen Passagen die Schwachstellen überwiegen, bleibt das Buch in angenehmer Erinnerung.

* Sollte eine/r meiner Leser/innen den richtigen Begriff für diese Spracheigentümlichkeit wissen, möge sie/er mir das doch bitte mitteilen.

**Dieser 2007 erschienene Krimi ist der erste Fall, den Katherina Hausmann in Kleiöd zu lösen hatte, inzwischen sind von dem Autotenduo vier weitere Krimis veröffentlicht worden – sämtlich mit “Kleinöd” im Titel.

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Erschienen: Deutschland, 2007

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