Fred Vargas: Der verbotene Ort

Dies ist kein Vampir-Roman, obwohl am verbotenen Ort Untote in den Särgen liegen sollen. Von keinem Biss zu irgendeiner Tages- oder Nachtzeit wird in diesem Buch erzählt. Gedanken über den Vampirmythos und daraus resultierende Handlungen durchziehen jedoch den gesamten Kriminalroman.

Angefangen bei den 17 Schuhen, die vor dem alten berüchtigten Londoner Friedhof Highgate stehen, in ihnen die abgesägten Füße ihrer Besitzer steckend. Highgate, ein Friedhof mit der scheinbaren Tradition, dass dort Vampire beigesetzt wurden.

Kommissar Adamsberg wird mit seinem Mitarbeiter Danglard Zeuge dieser Schuhparade, als die beiden sich in UK’s Hauptstadt zu einem Kongress aufhalten. Sie betrachten dieses Ereignis zunächst mit geringem Interesse, da es sich um ein rein britisches Verbrechen zu handeln scheint.

Szenenwechsel: Nach der Rückkehr nach Paris wird Adamsberg zur Leiche eines in Hunderte von Teilen zersägten, zerhackten, zerquetschten alten Justizreporters gerufen. Die Leichenteile sind im gesamten Wohnzimmer verstreut. Die besonders sorgfältige Zerkleinerung von Kauwerkzeugen und Füßen sowie deren Anordnung im Raum lässt den Kommissar nachdenklich werden. Da zudem ein  unverständliches Schreiben mit einem serbischen Ortsnamen in Zusammenhang mit dem Fall auftaucht, dieser Ort aber auch von Danglard mit den Schuhen vor Highgate in Verbindung gebracht wird – Danglard erkannte in dem einen paar Schuhe die eines Onkels, der in eben diesen serbischen Dorf wohnte – steht für Adamsberg fest, dass der Schlüssel zur Lösung des Falles in Serbien, im Dorf Kiseljevo, zu finden ist.

Da offenbar in Frankreichs Justizapparat hohes Interesse besteht, den grausamen Mord von Paris nicht aufklären zu lassen, man versucht, Adamsberg zusätzlich auch noch zu belasten, nimmt dieser nahezu fluchtartig Reißaus nach Kiseljevo, einer Hochburg, ja dem Ursprung, an dem Vampirglauben. Dort erlebt Adamsberg neben verschlossenen, verängstigten Bewohnern die Nähe von Tod und mutmaßlich Untoten. Er erkennt, dass eine Jahrhunderte alte Rechnung noch nicht beglichen ist, einer der letzten Schecks aber offensichtlich mit der Zerstückelung des alten Herrn in Paris eingelöst worden ist. Die veranlasst den Kommissar, die Rückreise anzutreten und mit den Erkenntnissen aus Serbien den Täter einzukreisen und zugleich zu erkennen, weshalb eine hochgestellte Persönlichkeit im Justizministerium alle Versuche dazu torpediert.

Dass Adamsberg einen neuen Sohn im Laufe dieser Geschichte bekommt und dieser eine bedeutende Rolle bei vielen mysteriösen Vorfällen spielt, gibt dem Buch einen weiteren Aspekt, nahezu einen zweiten Handlungsstrang.

Wiederum ist es Fred Vargas, von der wir inzwischen wohl alle wissen, dass es sich bei dem Namen um das Pseudonym der französischen Zooarchäologin Frédérique Audoin-Rouzeau handelt, gelungen, einen spannenden Kriminalroman zu schreiben. Der furchtlose Adamsberg begibt sich dabei in diese Welt, die wir kennen aus Transsilvanien. Spätestens seit Polanskis „Tanz der Vampire“ tragen wir diesen Mythos im Kopf mit uns herum, bei jüngeren Zeitgenossen wohl erst seit den Bissen zu den verschiedenen Tages- und Nachtzeiten.

Der verbotene Ort ist ein Werk, das diesen immer noch währenden Mythos als Basis nimmt für einen Roman, der von der Verblendung durch diesen Glauben daran herrschen könnte.

Zu überlegen ist, ob man nicht doch und nur zur Sicherheit ein paar Knoblauchzehen um den Lesesessel drapiert. Nur für den Fall, dass das Buch noch zur Mitternacht gelesen wird. Man kann ja nie wissen, was da so alles passieren kann und wlecher Besuch zu dieser Stunde noch erscheint.

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Originaltitel: Un Lieu Incertain, Frankreich 2008, dt. 2009 (Übersetzung: Waltraud Schwarze)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 30.11..2009 auf http://philipp1112.wordpress.com

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