Andrea Camilleri: Die Flügel der Sphinx

Andrea Camilleri erzählt in einer derben Sprache. Das ist bekannt. Ob nun aller Stress und Ärger der Hauptcharaktere über den Inhalt deren Skrotums definiert werden müssen, der in solchen Situationen entweder dampft, kocht, rotiert oder auf dem herumgetrampelt wird,  ist fraglich und sicherlich nicht jedermanns/fraus Geschmack. Haupt- und Nebenerzählstrang dieses Romans dagegen sind nach meinem Geschmack.

Nun ist Commissario Montalbanos Fernbeziehung zu Livia noch mehr zur Krise geworden und deshalb ist er auch nicht richtig glücklich. Dann wird auch noch auf einem Müllplatz die Leiche einer jungen Frau mit auffälligem Tattoo, einem Schmetterling der Familie Sphinx, gefunden. Verwirrend für den Commissario ist, dass im Laufe der Geschichte weitere Berichte von Frauen mit der gleichen Tätowierung auftauchen, was zunächst nicht zur Klärung des Mordes beiträgt. Eine eigenartig motivierte Gruppe zur Rettung gefallener Mädchen wird Ziel der Ermittlungen. Montalbano spürt, dass hier etwas nicht so läuft, wie es der Name und das hehre Ziel der Institution DER GUTE WILLE verkündet. Schließlich bringt ihn eine Chemikalie auf die richtige Spur und zur Lösung.

Gelöst wird auch die sehr durchschaubare „Entführung“ eines reichen Holzhändlers, die operettenhaft durch die Haupthandlung huscht und für Amüsement beim Lesen sorgt, nicht aber bei der verbitterten Frau des „Opfers“. Nicht amüsant bleibt jedoch die gestörte Beziehung zwischen Montalbano und Livia, die sich in diesem Buch so richtig aneinander vorbei rauschen. Gut nur, dass Enzo in Montalbanos preferriertem Lokal und Haushälterin Adelina wieder jede Menge Trost in Form von Fischgerichten für den alternden Commissario bereit halten, so dass ab und an doch die Sinne oberhalb der Gürtellinie angesprochen werden.

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Originaltitel: Le ali della sfinge, Italien  2006, dt. 2009 (Übersetzung von Moshe Kahn)

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