Simon Beckett: Tiere

Meine Empfehlung:

Hände weg von „Tiere“!

Erzählt wird die Geschichte des Ich-Erzählers und tumben Tors Nigel in einer Sprache, von der Klein-Erna annimmt, dass so Menschen reden, die über einen sehr geringen IQ verfügen. Schlecht nur, dass der Autor (oder der Übersetzer) Wörter verwendet, die weit über den Wortschatz eines derartig sprachlich minderbemittelten Menschen hinausgehen.

Nigel ist bei seiner Arbeit im Amt mit Botengängen und Kopieren beschäftigt, wird ansonsten von vielen Kollegen und Kolleginnen gehänselt. Trotzdem mag Nigel zwei dieser Kolleginnen recht gern und diese laden sich zu ihm nach Hause ein. Das „Zuhause“ ist der stillgelegte Pub seiner verstorbenen Eltern, in dem der Simpel allein haust – nicht ganz allein, denn im Keller hält er sich verschiedene „Tiere“, die er mit Hundefutter und Wasser versorgt, manchmal auch bestraft, wobei es sich – wie der Verlag auf dem Cover andeutet –  um besondere Mitbewohner handelt. Ein ebenso tumber Tor, wer als Leser nicht gleich darauf kommt, dass es sich um gefangen gehaltene Menschen handelt. Warum diese Wesen in totaler Abhängigkeit von Nigel ihr Leben dort zumeist in Dunkelheit fristen müssen, was Nigel dabei empfindet, das erfährt der Leser im Laufe der Story ebenso wie Details aus dem Leben des jungen Mannes, der ansonsten in seiner Freizeit Comics liest und sich im Fernsehen Zeichentrickfilme und – serien anschaut. Denn Nigel hat sich sein kindliches Gemüt Forrest-Gump-haft bewahrt, auch wenn er andererseits die Züge eines Monsters in sich trägt.

Als ihn schließlich die jungen Kolleginnen besuchen, zeigt sich Nigel zunächst brav. Als Leser beginnt man dann zu spekulieren, wie es weitergeht. Schließlich – und so endet der Thriller – sitzt Nigel  wieder vor dem Fernseher und schaut sich Disneys Bambi an.

Der Spannungsbogen der Story bleibt dabei so simpel wie Nigel selbst.

Ein Aufkleber „Bestseller“ haftet schon auf dem Buch und sicher wird auch dieser sogenannte Thriller im Sog des nahezu gleichzeitig erscheinenden vierten Romans mit dem forensichen Anthropologen David Hunter als Hauptperson (Verwesung) ebenfalls in den Listen auftauchen. Die Auszeichnung  für “Tiere” mit dem „Marlowe“-Preis der deutschen Raymond-Chandler-Gesellschaft, die der Autor im Vorwort erwähnt, liegt allerdings schon 15 Jahre zurück und hat in dieser Zeit nicht bewirkt, den Roman in Deutschland zu Erfolg zu verhelfen. Dieses Mal wird es im Zuge des Simon-Beckett-Hypes sicherlich gelingen. Zu gut ist das Marketing des Verlags von Beckett, der mit Die Chemie des Todes einen äußerst gelungen Thriller in Deutschland veröffentlichte. Die schnell zusammengeschriebenen Folgebände der David-Hunter-Reihe ( Kalte Asche und Leichenblässe) reichten nicht mehr an das hohe Niveau heran, waren aber immerhin noch lesenswert. Die älteren, bisher in Deutschland teilweise schon einmal wenig erfolgreich erschienen Titel (Obsession, Flammenbrut und Voyeur ) hätte der Verlag nach meinem Thriller-Empfinden nicht aus der Truhe fast vergessener Bücher hervorholen müssen. Genau so wenig wie „Tiere“.

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