Simon Beckett: Flammenbrut

…………….oder wie aus einem wenig erfolgreichen Buch ein Bestseller wird.

 Als 1998 Simon Becketts Roman Where There’s Smoke in Deutschland unter dem Titel Das Kind des Prometheus erschien, nahm kaum jemand Notiz davon.

2009, nachdem von Beckett  in den letzten zwei Jahren vier Bestseller in den Büchercharts platziert wurden, schießt die alte, etwas umgeschriebene Story unter dem Titel Flammenbrut direkt nach Erscheinen auf den ersten Platz der Listen der meistverkauften Taschenbücher.

Was ist geschehen?

Es zeichnete sich bereits in den letzten Monaten ab, als man für die alte vergriffene Ausgabe in gebrauchtem Zustand Preise von über 50 € erzielte, dass jedes gedruckte Wort Becketts auf höchstes Leserinteresse stößt.

Durch geschickte Promotion des Rowohlt Taschenbuch Verlages und einem Einband, dessen Layout identisch mit dem in diesem Frühjahr erschienen Titels „Obsession“ des gleichen Autors sowie prominenter Platzierung im Buchhandel wurde Kauf- und Leseinteresse aller gestärkt, die bereits einen Krimi von Simon Beckett gelesen haben.

Die weitere Frage ist: Hat das Buch überhaupt Bestseller-Qualitäten außer denen eines geschickten Marketings?

Diese Frage wird sicherlich in den nächsten Wochen von den Kritikern in den Medien beantwortet, wenn  sie es denn einer Rezension für Wert erachten. Auf den Feuilleton-Seiten von FAZ, SZ, Welt oder Zeit würde es sicherlich kritischer bewertet als anderswo.

Fakt ist, dass die Story bis zur Hälfte des Buches belanglos dahinplätschert, danach überschlagen sich die Ereignisse, jedoch in weitgehend vorhersehbarer Weise.

Kate, die Inhaberin einer PR-Agentur, möchte nach einer herben Enttäuschung namens Paul ein quasi vaterloses Kind gebären und aufziehen. Durch eine künstliche Befruchtung will sie sich diesen Wunsch erfüllen. Per Inserat sucht Kate einen Sperma-Spender, den sie schließlich findet und der sich als Psychologe ausgibt.

Dummerweise verhält sich Kate im Verlauf des Geschehens nicht so konsequent wie sie es anfangs geplant hatte. Statt den Kontakt zum Spender abzubrechen, entwickelt sich eine stürmische und innige Liebesbeziehung zwischen Spender und künftiger Mutter, die abrupt endet, nachdem Kate ein Fax mit der freudigen Nachricht, dass sie schwanger ist, in die Psychologenpraxis schickt. Nun zeigt sich die wahre Identität des Sperma-Spenders und dessen Vergangenheit als Pyromane, die ihn wieder einholt.

In feurigen Farben und rauchiger Hitze sowie recht plakativ verläuft die Story weiter. Und zum Schluss wird alles wieder gut für Kate; das „Kind des Prometheus“ wird geboren. Das wäre sicherlich auch in dieser aufgehübschten Version des Buches der treffendere Titel, denn eine „Flammenbrut“ ist das Kleinchen trotz überstandener Brände und angekokelter Mutter nicht.

Ein Best-Seller ist dieses Buch der Verkaufsziffern wegen, eine aufregende Story, wie wohl von Beckett-Lesern erwartet nur phasenweise und zu durchschaubar allemal. Ein trivialer Roman im ersten Teil, ein Krimi in der zweiten Hälfte.

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