Josh Bazell: Schneller als der Tod

Gelobt in Rezensionen der FAZ und „Die Zeit“,  erregt der Erstling Josh Bazells die Aufmerksamkeit insbesondere der Krimileser, denen das Einerlei und Austauschbare skandinavischer, italienischer und anderswo lokal in Eifel, Allgäu oder anderen Ecken der Welt ermittelnden Kommissare eintönig geworden ist.

Und die Aufmerksamkeit ist gerechtfertigt.

Josh Bazell erzählt die spannende, kompakte, intelligente aber auch verdammt komische Geschichte des Ex-Mafiakiller Pietro Brwna, der inzwischen zum ehrbaren Arzt mutiert ist und Dank Zeugenschutzprogramm unbehelligt seine Arbeit im Manhattan Catholic erledigt – unter Vermeidung, seine Patienten dort zu erledigen. Solange zumindest, bis ein alter Bekannter aus Mafiakreisen sterbenskrank dort auftaucht. Pietro, der jetzt Peter Brown heißt, wird von dem Mafioso erkannt. Und letzterer droht für den Fall, dass „Bärentatze“ – so der Nickname Peters aus seinem vorherigen Leben – ihn nicht am Leben erhält, alten Freunden, die noch eine Rechnung  aus eben dieser Vergangenheit zu begleichen haben, die neue Identität zu verraten. Das Ergebnis wäre das Ende des Arztes nicht nur im Krankenhaus, sondern überhaupt. Leben gegen Leben, sozusagen.

Die Story, die hier über die Situation im Krankenhaus und deren Lösung erzählt wird, dauert einen Tag. Zwischen den einzelnen Ereignissen, die Peter Brown an diesem Tag erlebt und von denen er berichtet, gibt es immer wieder Rückblicke, wie es zu der kritischen Lage kommen konnte. Angefangen vom Mord an seinen Großeltern, der sich als Initialisierungsmord für zwei neue Mafiamitglieder erweist, bis zur Aufnahme Pietros in die wenig ehrenwerte Familie, für die er einen adäquaten Auftrag zwecks Aufnahme in die Organisation erledigen muss, über die Routineaufträge hin bis zu seinem letzten Auftritt, der zu seiner Verhaftung führt und ihm den Namen „Bärentatze“ einbringt. Er erzählt von seinem Freund, dem Sohn eines Mafioso, den er zunächst beschützen, später in eben dieselbe Organisation einführen muß und schließlich von ihm hintergangen wird. Das Zerwürfnis der beiden führt letztlich zum großen Showdown, bei dem Pietro, Peter oder eben auch die Bärentatze noch einmal alle Intelligenz abrufen muss, um überleben zu können. Überleben auf eine Art, die er längst hinter sich gelassen hatte.

Dieses Buch habe ich gern gelesen, weil ich mit Pietro, Bärentatze und Peter mitfiebern konnte, das weitgehend ohne die Klischees von Mafia und deren Auftreten auskommt – und wenn sie bemüht werden, geschieht das auf angenehm ironisierende Art. Zwar fließt einiges Blut, es ist jedoch vermischt mit jeder Menge intelligentem Witz – und das bringt den Spaß am Lesen.

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Originaltitel: Beat the Reaper, USA 2009, dt. 2010, Übersetzung von Malte Krutsch

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